Anfertigung von Daguerreotypien oder
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![]() Abb. 1 Jodierungs- Bromierungsgefäß |
Damit eine
gleichmäßige Jodierung gewährleistet ist, muß die Platte das Gefäß möglichst
luftdicht abschließen. Dadurch werden unnötige Luftbewegungen innerhalb des Gefäßes
vermieden, was unweigerlich eine ungleichmäßige Beschichtung zur Folge hätte. Der
Prozeß wird bei Raumtemperatur durchgeführt. Diese erste Phase der Sensibilisierung kann
bei Zimmerbeleuchtung durchgeführt werden und ist beendet, wenn die Platte ein
dunkelgelbes Aussehen hat. (Der genaue Farbton kann nur durch eigene Erfahrung ermittelt
werden), Das ist in der Regel nach 3 - 4 min der Fall und kann optisch
überprüft werden.
In der zweiten Phase, die bei Dunkelkammerbeleuchtung durchgeführt werden muß, bringt
man die Silberplatte auf ein identisches Gefäß, in dem sich jedoch an Stelle der
Jodlösung eine äußerst schwache Bromwasserlösung 4 befindet. Die Lösung darf nur so stark sein,
daß der stechende Bromgeruch lediglich schwach wahrnehmbar ist (ca. o,5 ml Brom 5 auf 1000 ml Wasser). Nach
2o - 6o sek - je nach Konzentration der Bromlösung - ist auch dieser
Vorgang beendet. Die farbliche Veränderung ist in dem Dukalicht nun nicht mehr genau zu
beobachten, und es muß nach einem vorher festgelegten Zeitplan gearbeitet werden. In der
abschließenden dritten Phase wird noch einmal, zur Beseitigung eventuell aufgetretener
Bromschleier, in gewohnter Weise ca. 1 min jodiert.
Würde man nun das normale Zimmerlicht anmachen, so hätte die Silberplatte ein dunkelviolettes Aussehen und wäre damit optimal empfindlich. Es wird jedoch bei Duka-Licht gearbeitet, und diese überprüfung ist leider nicht durchzuführen. Hat die Platte hingegen ein stahlblaues Aussehen, so ist mit Sicherheit zu lange sensibilisiert worden, und der Vorgang ist nach einem kurzen Fixierbad und erneutem Polieren zu wiederholen.
Die sensibilisierte Platte ist höchstens eine halbe Stunde lagerfähig. Bei meinen Versuchen hat sich gezeigt, daß eine der größten Schwierigkeiten darin liegt, daß richtige Verhältnis von Jodierung und Bromierung zu finden. Ist die Bromierung zu schwach, ist die Platte derart unempfindlich, daß eine Belichtungszeit von mehr als 15 min in heller Sonne notwendig ist. Mit dem richtigen Maß der Bromierung sind Zeiten von etwa 2 - 5 sek erreichbar. Die zweite Schwierigkeit liegt darin, daß infolge zu starker Bromierung, die Gradation derart aufsteilt, daß der Kontrast zwischen hellen und dunklen Bildpartien durch die Entwicklung nicht mehr ausgeglichen werden kann. Die Folge sind entweder überhelle Lichter, die zum Teil sogar " solarisiert ", d.h. im Tonwert umgekippt sind, oder zeichnungslose Schatten (s. Abb. 2). Hier das richtige Maß zu finden ist Sache der Erfahrung. Als Anhaltswert sei hier folgendes Verhältnis von Jodierung : Bromierung : Jodierung genannt, J : B : J = 4 : (o,5......1,o) : 1 (Zeiteinheiten). Hierbei ist die Bromierungszeit sehr stark abhängig von der Konzentration der Bromlösung.
Die sensibilisierten Platten sind vergleichsweise unempfindlich und erfordern lange Belichtungszeiten. Daraus ergibt sich, daß man die Belichtung möglichst in heller Sonne vornehmen sollte. Bei einer Objektivöffnung von 1 : 4,5 und optimaler Jodierung liegt die Belichtungszeit in offener Sonne bei etwa 2 sek. Bei starker überbelichtung tritt - genau wie bei modernem Filmmaterial unter Umständen auch - eine Tonwertumkehrung ein (s. Abb. 2). Zu erklären ist dieser Vorgang meiner Meinung nach nur dadurch, daß bei Anwesenheit von rel. großen Silbermengen die Amalgambildung mit dem Quecksilber nur sehr langsam stattfindet, und die überbelichteten Bildpartien noch lange nicht ausentwickelt sind, wenn die Schatten schon bereits eine gute Durchzeichnung aufweisen. Infolgedessen erscheinen diese Bildteile dunkler als die normal belichteten Stellen. Um sich einen etwas genaueren überblick über die Belichtungs- und Entwicklungsverhältnisse zu verschaffen, sollte man die Seite Bilder anklicken.
![]() Abb. 2 Solarisation |
![]() Abb. 3 Solarisation |
Ist die Platte erheblich überbelichtet, so werden die Objekte nicht mehr konturenscharf abgebildet und die Platte 'verschleiert'. Empfehlenswert erscheint mir, vor der endgültigen Belichtung einige Belichtungsproben vorzunehmen, um für die jeweils herrschenden Bedingungen die richtigen Zeiten zu ermitteln. Bei meinen Versuchen habe ich festgestellt, daß, wenn bei offener Sonne fotografiert wird, sich ein Ausgleich der Kontraste nicht erreichen läßt, da der Belichtungsspielraum der Silberplatten äußerst gering ist. Bei guter Schattendurchzeichnung sind die Spitzenlichter meistens solarisiert (s. Abb. 3). Hinweise auf dieses Phänomen der Platten findet sich auch in der einschlägigen Primärliteratur und ist auch bei alten Original-Daguerreotypien immer wieder zu beobachten.
Zunächst sei darauf hingewiesen, daß bei der Entwicklung mit größtmöglicher Vorsicht gearbeitet werden muß, da das Einatmen der Quecksilberdämpfe äußerst gesundheitsschädigende Folgen hat!!! |
Zur Entwicklung wird die belichtete Platte in ein geschlossenes Gefäß (s.Abb. 4) gebracht, auf dessen Boden eine mit Quecksilber überzogene Kupferplatte aufliegt. Darüber ist in 1-2 cm Höhe ein Rähmchen angebracht, auf den die zu entwickelnde Platte gelegt wird. Nach schließen des Deckels wird das Gefäß auf eine Heizplatte (s. Abb. 5) gestellt und auf ca. 45 oC erhitzt. Nun setzt die Amalgambildung ein. Die Entwicklungszeit beträgt in der Regel 4...6 min. Nach Ablauf von 4 min wird die Platte aus dem Gefäß gehoben und der Fortgang der Entwicklung optisch überprüft. Zu diesem Zweck kann kurzfristig die Zimmerbeleuchtung angeschaltet werden ( höchstens 10 sek ).*
![]() Abb. 4 Entwicklungsgefäß |
![]() Abb. 5 Heizplatte |
Die Beurteilung der Platte ist nicht ganz einfach, da die noch vorhandene Silberjodidschicht eine exakte Betrachtungsweise leider nicht zuläßt. Das Bild erscheint schwächer als es tatsächlich nach der Fixage und dem Trocknen in Erscheinung tritt. Die eigene Erfahrung spielt auch hier eine große Rolle. Ist nach Ablauf der 4 min auf der Silberplatte nichts, oder nur der schwache Abdruck der Spitzenlichter zu erkennen, so kann man getrost den Vorgang abbrechen, denn dann liegt eindeutig Unterbelichtung vor. Bei noch nicht völlig ausgereiftem Bild kann man zur Not noch weitere 5-10 min entwickeln. Wann der richtige Zeitpunkt zur Unterbrechung der Entwicklung gekommen ist, kann nur durch eigene Erfahrung herausgefunden werden. Eine endgültige Beurteilung der Daguerreotypie ist erst nach dem fixieren und trocknen der Platten möglich.
* Hier sei nochmals auf die Gefährlichkeit der Quecksilberdämpfe hingewiesen! Sorgt bitte für eine funktionstüchtige Abluftanlage und setzt zur Sicherheit noch eine Atemschutzmaske auf! |
Fixiert werden die Platten 5 min in einer Natriumthiosulfatlösung (10%) bei Raumtemperatur. Es versteht sich von selbst, daß die Platte höchst empfindlich gegen jede mechanische Berührung ist. Das Amalgam haftet auf der Silberplatte ähnlich wie Puderzucker auf dem Kuchen.
Es wird 5 min in fließendem Wasser gewässert und anschließend mit dest. Wasser gespült, dann wird die Platte an einem staubfreien Ort zum trocknen aufgestellt.
Früher wurden die Platten zum Zweck der Haltbarmachung nach der Fixage noch vergoldet. Dazu liegen mir zwar einschlägige Rezepte und Arbeitsanweisungen vor, aber all diese Verfahren erwiesen sich als sehr kompliziert und darüber hinaus als sehr teuer. Ich habe auf die einfache Lackierung mit Fixativ-Spray zurückgegriffen. Nach dieser Behandlung ist die Oberfläche gegen Berührung unempfindlich und kann von anhaftendem Staub mit einem Pinsel befreit werden. Sollte jemand auf den Gedanken kommen, ernsthaft Daguerreotypien herzustellen, so empfehle ich letztlich doch die Goldtonung, weil das Fixativ-Spray der Daguerreotypie die Spitze der Schönheit nimmt. Puristen werden mich wg. des Vorschlags der Fixativ-Fixierung wahrscheinlich steinigen. Tatsächlich aber sind meine ersten Daguerreotypien von 1973 mit Fixativ noch wunderbar erhalten!
Quecksilber, Quecksilberchlorid und Brom sind LEBENSGEFÄHRLICHE GIFTE!!! VORSICHT!!! |
2 Hier sei angemerkt, daß es mir n i c h t gelungen ist, eine Ag-Platte wirklich kratzerfrei zu polieren. Ich empfehle, die einschlägige Primärliteratur genauer zu befragen!
3 Man kann hier auch Jodkristalle benutzen, doch scheint mir der Einsatz einer wässrigen Lösung erheblich sicherer.
4 Früher wurde zur Bromierung Bromkalk benutzt. Die Darstellung dieses Präparats ist jedoch so schwierig, daß ich auf eine wäßrige. Bromlsg. zurückgegriffen habe, die eine ähnlich exakte Bromierung erlaubt.
5 Brom ist eine äußerst stechend riechende Flüssigkeit, deren Handling nur im geeigneten Labor und mit Atemschutz stattfinden darf. In schlecht belüfteten Räumen sind gesundheitliche Schäden unvermeidbar!!