Gummidruck IDie Vorbereitung des PapiersEin Artikel von Hermann Försterling
Auf dieser Seite über Gummidruck beschreibt Hermann Försterling die Vorbereitung des Papiers. Keine fotografische Kopiertechnik gewährt so viele kreative Möglichkeiten wie der Gummidruck. Nur dieses Verfahren bietet eine fast unbegrenzte Auswahl an Basispapieren oder Farbtönen und erlaubt es, ganze Bildteile unbemerkt verschwinden zu lassen oder wichtige Elemente in den Vordergrund zu rücken. Ein Verfahren und seine TückenDoch diese große Freiheit muß teuer erkauft werden. Die Technik der unbegrenzten Möglichkeiten ist schwierig und langwierig. Ein Negativ perfekt und tonwertreich umzusetzen, ist schon eher beim Pigmentdruck, beim Platindruck oder der Photogravüre möglich. Der Gummidruck ist ein tückisches Verfahren. Schon nach kurzer Lehrzeit schwimmt der erste Abzug in der Wanne, und man findet alles kinderleicht. Wie naiv: Mit jedem weiteren Schritt nehmen die Probleme zu. Um den Tonwertreichtum eines Negatives einigermaßen umzusetzen, sind drei Drucke erforderlich: Der Lichterdruck soll feine Differenzierungen zeigen, der Mitteltondruck bestimmt die Gesamtwirkung (und kann eventuell auch allein stehen), der Kraftdruck forciert die Schatten. Am Rande: Noch heute geben sich manche, wahnsinnige Gummidrucker mit nicht weniger als acht Schichten zufrieden. Abgesehen von den völlig Abgedrehten, die nicht davor zurückschrecken, den naturfarbigen Gummidruck zu versuchen. Kein Edeldruckverfahren wurde öfter publiziert als der Gummidruck. Doch die meisten Beschreibungen sind veraltet. Die Materialien haben sich mit der Zeit verändert und vieles dadurch einfacher geworden. Das Prinzip: Ein Papier bekommt eine Emulsion aus Pigmenten, Gummi und Chromat. Unter einem Negativ belichtet, härtet das Chromat die Farbgummimischung, beim anschließenden Wasserbad schwimmen nur die unbelichtete Gummipigmentschicht ab. Zurück bleibt ein Positiv im Farbton des gewählten Pigments. Ein Negativ im RiesenformatSie brauchen also ein Negativ in der Originalgröße das geplanten Bildes. Dieses Negativ darf eher dünn sein; im Kontakt mit üblichem SW-Papier sollte es auf Gradation 3 bis 4 (hart) die besten Ergebnisse liefern. Als Film eignet sich gut der Agfa GO 210p, ein kontrastvariebIer, orthochromatischer Halbtonfilm. Falls die Negative zu hart oder dicht sind, wirkt ein Bad in Lichterabschwächer Wunder. Das Papier muß schrumpfenDas Ergebnis hängt stärker als bei anderen Verfahren vom Papier ab. Rauhe, gekörnte Papiere bringen zwar schönere Tonwerte, kopieren aber nicht so scharf. Bei ganz glatten Papieren macht ein gleichmäßiger Aufstrich Mühe, und der ganze Druck kann bei der Entwicklung leichter abschwimmen. Achtung: Fabrikneue Papiere, die befeuchtet und wieder getrocknet werden, schrumpfen. Fatal, wenn dann - nach der ersten Kopie - für den zweiten Druck das Negativ nicht mehr paßt. Das Papier muß also schon vor dem Druck geschrumpft werden. Darum tauche ich die Bögen in heißes Wasser, lasse sie 30 Minuten in dem abkühlenden Bad schwimmen und trockne sie dann über der Heizung, mit einem Fön oder an der Leine in einem sehr warmem, trockenen Raum. Nach jedem weiteren Wasserbad werden die Papiere stets nur noch bis auf dieses Maß zurückschrumpfen. Nur bei sehr zahlreichen, dicken Beschichtungen zieht sich das Papier durch die Spannung der aufgetragenen Gummimischung doch noch ein wenig zusammen. Die Nachleimung mit GelatineDamit bei der Entwicklung unbelichtete Teile wirklich sauber abschwimmen und keinen Farbstich in den hellen Bildteilen hinterlassen, darf die Farbgummilösung nicht tief in den Papierfilz eindringen; andererseits sollen belichtete Stellen gut haften. Darum müssen alle heutigen Aquarell- und Büttenpapiere nachgeleimt werden. Die meisten Gummidrucker überziehen ihre Papiere mit einer 2-3%igen Gelatinelösung (5-10% für das stärker saugende Kupferdruck-Bütten). Nach dem Trocknen härtet man die Schicht 20 bis 30 Minuten in einer 5%igen Chromalaun- oder Formalinlösung, die nicht mehr als 20 oC warm sein darf. Das gleicht der Herstellung von Übertragungspapier für den Pigmentdruck, nur daß beim Gummidruck die Schicht viel dünner sein muß. Sie können die Gelatine genauso gut durch Weizen, Mais- oder Kartoffelstärke, etwa Mondamin, ersetzen, müssen dann aber auch wie oben härten. Wenig froh macht mich der neue Geheimtip: Sprühstärke. Eigentlich dazu gedacht, Hemdkragen in Form zu bringen, soll diese Stärke zur Vorleimung taugen. Doch löst sich die Sprühstärke selbst in sehr kalten Bädern schnell auf. Die erforderliche Nachhärtung gelingt kaum, weil sich im Härtungsbad schon die meiste Sprühstärke vom Papier abgelöst hat, bevor sie an der Oberfläche fixiert werden konnte. Was wirklich Erleichterung bringt: Härten Sie die Gelatine schon vor dem Aufstrich. Quellen Sie in einem Liter Wasser gut 20 Minuten lang 20 bis 30 Gramm Blattgelatine (für Büttenpapiere 50 bis 100 Gramm) und erhitzen Sie unter mehrmaligem Umrühren so lange, bis die Gelatine geschmolzen ist. Nicht kochen! In die warme Gelatinelösung rühren Sie nun 50 ml einer 5%igen Chromalaunlösung. Als Alternative tut es auch Kalialuminiumalaun, und zwar 7,5 Gramm auf 50 ml Wasser. Aber Vorsicht: Wenn die Gelatine einmal geliert, also kalt wird, läßt sie sich nicht mehr verflüssigen. Abhilfe: In die warme, flüssige Gelatine-Alaun-Mischung rührt man tropfenweise Ammoniak ein, bis sich rotes Lackmuspapier blau färbt. Damit hat die Gelatine ihr Gerinnungsvermögen verloren und läßt sich auch kalt verstreichen. Verschließen Sie die restliche Lösung in einem sauberen Glas. Die Lösung hält sich sehr lange, kann aber, einmal getrocknet, auch mit sehr warmem Wasser nicht mehr gelöst werden. Auf dieser "klassischen" Vorleimung läßt sich bestens arbeiten. Jetzt verrate ich Ihnen noch eine andere Vorleimung, und die ist schnell, sauber, flexibel, billig, alterungs- und hitzebeständig: Seit einigen Jahren benutzen Kunstmaler Acrylbinder- oder dispersionen, um Farben anzureiben oder, bei der Ölmalerei, eine Leinwand zu sperren, ihr also die Saugfähigkeit zu nehmen. Was früher mit Knochenleim oder Gelatine mühevoll angesetzt werden mußte, geht heute ganz fix. Dr. Kremers Farbmühle in 7974 Aichstetten liefert eine Dispersion (K6), mit der man die Papiere für den Gummidruck nachleimen kann. Verdünnen Sie das Mittel für stark saugende Papiere 1:10 mit Wasser, für weniger saugende Träger reicht eine Verdünnung 1:20 oder 1:30. Streichen Sie die Lösung zügig auf, ohne Pfützen und Seen entstehen zu lassen. Bei durchgetrockneten Papieren läßt sich manchmal die nachgeleimte Seite kaum identifizieren. Darum: Wenn Sie das Papier zum Trocknen aufgehängt haben, markieren Sie die behandelte Seite unauffällig mit einem Bleistift. Nach der Trocknung wird beschichtet. Gummi, Eiweiß, TapetenkleisterAls Gummi verwenden sie festes,
wasserlösliches Gummi arabicum, erhältlich in ungereinigter Stückform (billig) oder
gemahlen als Pulver in chemisch reiner Form (teuer). So bringen Sie Farbe ins SpielEntweder Sie fertigen die Farben selbst an, oder Sie nehmen Aquarell- oder Temperafarbtuben. Besonders empfehle ich die Künstler- und Designer-Gouache, oder, mit sehr fein zerriebenen Pigmenten, die Aero-Gouache von Schmincke. Lukas verkauft eine Künstleraquarellfarbe, deren Pigmente weniger als zwei Mikrometer messen. Und es gilt: Je feiner die Pigmente, desto mehr Tonwerte können kopiert werden. Diese Farben sind teurer als die selbst bereiteten, dafür aber äußerst lichtecht und sind bereits mit Gummi arabicum als Bindemittel versehen. Neuerdings bietet- Schmincke die HKS-Designer-Gouache an, mit Gummi und Leim als Bindemittel. Die 84 Farben lassen sich alle untereinander mischen und kosten 4,50 Mark je 20 ml. Natürlich geht es auch mit billigeren wasserverdünnbaren Tubenfarben. Doch prüfen Sie Lichtechtheit und die Verteilung der Pigmente. Es eignen sich nicht alle Farbtöne für den Gummidruck: Anilinhaltige Pigmente färben die Vorleimung und den Papierfilz mit ein und lassen sich nicht mehr ganz auswaschen. Diese Gefahr droht besonders bei lila und violetten Tönen. Wer Lila will, mischt besser blaue und rote Pigmente, eventuell zusammen mit Weiß. Pigmente, Gummi arabicum in Stücken und Glasläufer zum Anreiben der Farben sowie auch verschiedene Dispersionen verschickt Dr. Kremers Farbmühle. Zehn bis 20 Gramm Fertigfarbe rührt man klümpchenfrei in rund 50 ml der Gummilösung, die auch schon das Eiweiß enthalten kann. Ein Netzmittel wie Agfa Agepon - oder Tween 20TM - vereinfacht die Verteilung der Pigmente und erleichtert den nachfolgenden Aufstrich erheblich. Künstler emulgieren ihre Farben mit Ochsengalle. Die Aufstriche perlen dann nicht ab und verfließen sauber. Gereinigte Ochsengalle verkauft Schmincke in 50-Milliliter-Fläschchen, bei Kremers Farbmühle kosten 100 ml sechs Mark. Die Farb-Gummi-Emulsion machen wir mit Ammonium- oder Kaliumdichromat lichtempfindlich. 50 Gramm dieser orangeroten Kristalle rührt man bei 18 bis 30 oC in einen halben Liter destilliertes Wasser. Diese 10%ige Vorratslösung hält sich im Dunkeln Monate.
Wer Ammoniumdichromat benutzt, kann eine 20%ige Lösung herstellen die vor Gebrauch 1:1 mit Spiritus verdünnt wird. Etwas weniger kostet das Kaliumdichromat, erzeugt geringfügig unempfindlichere Schichten und läßt sich etwas schwerer auswaschen. Es ist nicht alkohollöslich - also keine Spiritusverdünnung - kann dafür aber auch nicht explodieren. Die Lösung kommt auf das PapierVermischen Sie einen Teil Farbgummi mit drei Teilen Chromlösung und streichen Sie das Gemisch mit einem weichen, breiten Pinsel zügig auf die vorgeleimte Papierseite. Besonders geeignet sind für diesen Zweck die weichen Schaumstoffpinsel, die es für Seidenmalerei gibt. Kleine Schaumstoff- oder Mohairwalzen aus dem Baumarkt passen nur zu größeren Formaten; bei kleineren Bildern fällt ihre Struktur, die sie in der Schicht hinterlassen, unangenehm auf. Beim Aufstricht fixieren Sie das Papier am besten mit Stecknadeln auf Pappe oder kleben die Ecken mit Tesa auf ein Brett. Das Anmischen der Gummichromatlösung können sie bei Tageslicht vornehmen, den Auftrag selbst sollten sie bei 15 Watt Kunstlicht vornehmen. Maximal lichtempfindlich ist erst die völlig trockene Beschichtung.
Es geht auch mit dem Airbrush: Bestreichen Sie das gelatinierte Papier zuerst mit einer zehnprozentigen Chromatlösung. Anschließend sprüht man bei Duka-Licht auf diesen sensibilisierten Bogen die Gummifarbmischung auf, läßt trocknen und kopiert wie beim einfachen Gummidruck. Diese Methode erzeugt großen Tonwertreichtum, ist aber etwas umständlich. Die Farbfläche muß nicht makellos homogen
ausfallen, weil man meist mehrere Schichten übereinander kopiert und sich die mehr oder
weniger streifigen Farbaufträge zu einer satten, sauberen Farbfläche addieren. Das
endgültige Bild erscheint dann streifenfrei. Die einzelnen Farbschichten müssen sehr
dünn aufgetragen werden, besonders die Schicht für den Lichterdruck darf nur sehr wenig
Pigment enthalten - logisch - nur so gelingen feine Tonwertdifferenzierungen. Die
jeweiligen Pigmente zeichnen sich durch unterschiedliche Deckkraft aus; zur Beurteilung
der Schichtdicke hilft ein Probeanstrich auf einer Zeitung. Die Schrift muß - für
Mittel- und Lichterdruck - gut leserlich bleiben. Nehmen Sie für den Lichterdruck helle
Farben. Das Auftragen der Schicht. Mehrfache BelichtungenHaben Sie das Papier präpariert, kann belichtet werden. Dazu benötigen sie einen Kopierrahmen oder eine saubere, schwere Glasscheibe. Für optimale Tonwerte brauchen Sie drei übereinander kopierte Drucke, Kraft-, Mittelton- und Lichterdruck. Weil also mehrfach belichtet wird, markieren Sie vor dem ersten Durchgang die Lage des Negatives auf dem Papier. Das geht am einfachsten, wenn das Negativ einen unbelichteten, durchsichtigen Rand von ungefähr zwei bis vier Zentimetern hat, auf den man sich in jede Ecke mit Filzstift oder mit Tuschfüller Passerkreuze zeichnet. Diese werden mitkopiert und sind im weiteren Verlauf die Orientierungspunkte für die genaue Plazierung des Negativs. Belichten Sie mit starkem UV-Licht oder
UV-haltigem Kunstlicht. Die Sonne tut's auch, wenngleich die Ergebnisse unter diesen
Bedingungen nur schlecht reproduzierbar sind. Bei mechanischer Entwicklung (siehe unten) muß natürlich länger kopiert werden. Testen Sie auf jeden Fall unterschiedlich lange Zeiten mit einer Streifenbelichtung: Decken Sie das Bild mit einem schwarzen Karton ab und lassen Sie zunächst nur einen kleinen Spalt ans Licht; geben Sie dann nach und nach mehr Bildteile frei. Halten Sie die Reihenfolge dieses Verfahrens ein, denn belichtete Chromgummischichten härten nach; wenn Sie also erst nach und nach das belichtete Bild zudecken, kommen Sie auf falsche Zeiten. Auf der gesamten Bildfläche soll das Negativ sauber anliegen. Bei starken und welligen Papieren beschweren Sie deshalb die Glasscheibe ringsherum mit Gewichten. Die Entwicklung im WasserbadTauchen Sie das Papier, Schichtseite oben, unmittelbar nach der Belichtung in eine Schale mit rund 20 oC kaltem Wasser. Die nasse Schicht verliert sofort ihre Lichtempfindlichkeit. Der Entwicklungsprozeß beginnt: Zuerst löst sich ein Großteil der Chromsalze aus dem Papier, das Wasser färbt sich gelb. Bei hellen Farben sieht man ein braunes, positives Chrombild, das langsam etwas zurückgeht. Dieses gelbe, nach der Entwicklung braune Chromatbild muß später wieder ausgebleicht werden. Es erschwert die Beurteilung des endgültigen Druckes, besonders bei den Farben Gelb und Ocker - dann ist unklar, ob auf dem Papier das auszuwaschende Chrombild oder das Pigmentbild steht. An diese Töne sollten sich nur Geübtere wagen. Halten Sie die Wanne in Bewegung. Ziehen Sie das Papier vorsichtig unter Wasser hin und her. Bei einigen Gummimischungen steht das Bild
schon nach wenigen Minuten, andere brauchen eine halbe Stunde, um sich in den Lichtern
vollständig zu lösen. Je mehr Gummi in einer Schicht und je weniger Pigment, desto
schneller läuft die Entwicklung ab. Manche Gummidrucker tauchen den Druck lieber mit der
Schichtseite nach unten in die Schale, so daß die unbelichteten und aufgelösten
Pigmentteilchen zu Boden sinken. Diese "automatische" Entwicklung hat einen
Vorteil und gleich mehrere Nachteile. Vorteil: Bei ausreichender Belichtung kann man den
Druck ohne weiters 1-2 Stunden ruhig im Wasser liegen lassen mit der Folge, daß man ein
sehr Nuancenreiches und feinkörniges Bild bekommt. Um die Entwicklung etwas zu beschleunigen, begieße ich den Druck, der im Wasser obenauf schwimmt, mit weiterem Wasser und erhöhe schließlich langsam die Temperatur, von 20 bis auf 50 oC. Aber vorsicht, hier ist der Druck blitzschnell ruiniert! Löst sich die Farbschicht immer noch nicht, greife ich zu härteren Methoden: Ich sprühe mit Schlauch oder Brause, ziehe einen weichen Schwamm vorsichtig über die Schicht oder entferne die Farbe sogar mit einem weichen Pinsel. Wenn sich immer noch nichts ablöst, haben Sie absolut überbelichtet! Haben Sie alles richtig gemacht, sind nach zehn bis 20 Minuten die unbelichteten Stellen sauber abgeschwommen, dann erhalten Sie optimale Tonwerte. Mechanische Eingriffe wie oben beschrieben, verringern den Tonwertreichtum erheblich und machen das Bild sehr körnig. Schwimmt mehr oder weniger der ganze Druck ab, haben sie zu kurz belichtet. Abhilfe gegen belegte LichterAuch bei korrekt belichteten und entwickelten
Gummidrucken bleiben oft noch ein Hauch Farbe in den Lichtern stehen. Manche Pigmente
(z.B. Magenta-Pigment) verbinden sich mit der Papierfaser derart stark, daß ein - vor
allem in den Lichtern sichtbarer - Farbschleier die Folge ist. Hier hilft nur konsequentes
Vorbeschichten mit Gelatine. Der mehrfache GummidruckLichterdruck Mitteltondruck Kraftdruck Wie einfach und logisch doch alles ist! Doch vielleicht hatten Sie nicht das Glück, gleich mit der ersten Mischung einen Lichterdruck hinzukriegen. Zwar schwimmt ein Bild in der Wanne, etwas zu hell oder zu dunkel - aber was ist jetzt besonders gut durchgezeichnet? Ist das ein zu dunkler Lichterdruck oder ein zu heller Kraftdruck? Oder gar ein richtig belichteter Mitteldruck? Meist schaue ich mir nochmals die Tonwerte auf dem Negativ genau an - habe ich eher die hellen oder eher die dunklen Tonwerte kopiert? - und weiß dann, welchen Auszug ich vor mir liegen habe. Ob der zu hell oder zu dunkel geworden ist, interessiert mich erst später, hier geht es um die Gradation der Schicht. Denn hell oder dunkel ist ja "nur" eine Frage der Belichtungszeit und der Entwicklung. Ist der Auszug zu weich, weiß ich: Chromlösung muß reduziert werden. Ist er zu hart, muß mehr Chrom dazu. Also starten wir alles von vorne. Manchmal beginne ich mit nicht weniger als sechs Bögen, und am Ende ist vielleicht nur ein einziger Gummidruck in x Schichten entstanden, den ich ohne schlechte Gewissen herzeigen kann. Bedenken Sie, daß sich ein Gummidruck, der einmal zu lange belichtet wurde, nicht mehr abwaschen läßt - das ist besonders ärgerlich, wenn bereits ein paar gelungene Schichten auf dem Papier sind. Klären und härtender SchichtenDurch den mehrmaligen Anstrich mit der Farbemulsion hat das Papier erhebliche Mengen an Chromsalz aufgenommen und sich gelblich eingefärbt. Die Beurteilung de Tonwerte fällt dann schwer. Das Bad, das nun am Ende der Arbeit angewandt wird, besteht aus einer 10%igen, rund 16 bis 20 oC kalten Alaunlösung oder aus einer 5%igen Natriumbisulfitlösung, die allerdings ekelhaft riecht und beim einatmen ungesund ist. Das Blatt ist nach rund 20 Minuten wieder weiß, wird nun gründlich gewässert - je nach der Papierstärke ein bis zwei Stunden lang - bei vier bis sechsmaligem Wasserwechsel. In den beiden Bädern wird die Farbschicht allerdings wieder verletzlich; sie ist erst nach Durchtrocknen gehärtet und berührungsunempfindlich. Damit sich der fertige Druck beim Trocknen nicht wellt, kleben Sie den feuchten, fertigen Gummidruck mit Naßklebeband auf eine Glasscheibe und lassen über nacht langsam und nicht zu warm trocknen. Retuschieren Sie mit den üblichen Eiweißlasurfarben oder mit den Tubenfarben und Pigmenten, die Sie bereits verwendet haben. Sofern Sie auf gutem, holzfreiem Papier gearbeitet und gründlich gewässert haben, ist der Gummidruck äußerst haltbar. Sie dürfen stolz sein auf Ihr Unikat!
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