Gummidruck II
Naturfarben
Ein Artikel von Hermann Försterling
Farbenlehre
Zeigen Sie die Motive auf Ihrem Gummidruck in den
natürlichen Farben. Hermann Försterling beschreibt, wie Sie die Schichten Yellow,
Magenta und Cyan selber auftragen und entwickeln können. Nach eigenen Versuchen schildert
er ein Verfahren, das noch nie so beschrieben wurde - für Bilder voller Leuchtkraft und
Haltbarkeit. Alte Bildbeispiele von Kühn und Eder zeigen, daß es hier um eins der
schwierigsten Edeldruckverfahren überhaupt geht.
Unter den Edeldrucktechniken, für die man heute noch
Material bekommt, gibt es nur drei Verfahren, mit denen sich naturfarbige Fotos herstellen
lassen:
- Pigmentdruck
- Öl- oder Bromöldruck (Umdruckvariante)
- Gummidruck.
Die besten Ergebnisse liefert zweifellos der
Farbpigmentdruck. Er erzeugt die absolut schärfsten und auch haltbarsten Farbfotografien.
Die Öldruckverfahren liefern schöne, malerische Naturfarbenbilder; doch allein beim
Gummidruck ist sicher, daß er auch nach Generationen noch ausgeführt werden kann, weil
Sie die relativ unspektakulären Zutaten immer bekommen werden. Für alle anderen
Edeldruckmethoden macht die Materialbeschaffung zunehmend Schwierigkeiten.
1. Die graue Theorie der Farbmischung
Wie man weiß, kann weißes Licht mit einem Prisma in seine
Grundfarben zerlegt werden. Wie bei einem Regenbogen entsteht ein "Farbband", in
dem alle Grundfarben zu sehen sind. Mischt man rotes, grünes und blaues Licht im
richtigen Verhältnis, entsteht wieder weißes Licht. Man nennt das additive
Lichtmischung.
Bei der subtraktiven Lichtmischung ergeben die
Komplementärfarben zu Rot, Grün und Blau - Gelb, Purpur und Blaugrün (Yellow, Magenta
und Cyan) - ein schwarzes Mischbild. Wenn man diese Farben übereinander legt,
ergibt das Schwarz. Durch unterschiedliche Quantifizierung dieser drei Farben lassen sich
alle Farbtöne und -nuancen herstellen - theoretisch jedenfalls.
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additive und
subtraktive
Farbmischung |
Praktisch ist die Sache nicht so einfach:
- So reine Pigmente, wie wir sie bräuchten, sind nicht zu
beschaffen.
- Die letzte gedruckte Farbe lasiert zu wenig und überdeckt
somit die anderen Farben zu stark: Es kommt zu Farbstichen
Im Druckgewerbe umgeht man das Problem mit einem Raster. Die
einzelnen Farbauszügewerden nicht dünn oder dick gedruckt, sondern in Punkte zerlegt,
die entweder mehr oder weniger weit voneinander entfernt oder größer und kleiner sind.
Damit sich die Punkte nicht überdecken, wird der Rasterwinkel für jede Farbe ein Stück
gedreht.
Aus der Mischung solcher nebeneinander gedruckter Punkte
setzt sich z.B. jedes Farbbild in einer Zeitschrift zusammen. Perfekt ist aber auch diese
Methode der Farbmischung nicht; obwohl bei hochwertigen Druckerzeugnissen bis zu sechzehn
Farben über- beziehungsweise nebeneinander gedruckt werden. Und selbst dann zeigen die
Bilder nie die Farbenvielfalt, die uns die Natur bietet.
Um zu dem für jede Farbe benötigten
Farbauszugsnegativ zu kommen bieten sich zwei Verfahren an:
- Farbseperation bei der Aufnahme
- bei der Reproduktion.
Jedenfalls benötigt man einen Satz Farbauszugsfilter, zum
Beispiel von Agfa oder Kodak. Die dünneren Gelatinefilter von Agfa haben die Nummern
U438, L599 und U525 und sind im Set erhältlich. Brenner in Weiden liefert für knapp 20
Mark einen Filtersatz 7,5x7,5 cm mit den benötigten Folien Rot, Grün und Blau.
2. Mit drei Filtern zu Farbauszügen
Haben Sie einen Farbvergrößerer mit additiver
Lichtmischung, können Sie auch mit dem eingebauten Farbkopf Ihre Auszüge vergrößern.
Bei einem SW-Vergrößerer müssen die drei Filter nacheinander eingelegt werden. Auf
einen Schwarzauszug verzichte ich - es geht auch ohne. Vergrößern Sie nur auf
panchromatischen Film, den Sie bei absoluter Dunkelheit verarbeiten. Nehmen Sie zum
Beispiel DuPont CCHS 7 oder Agfa P 230p.
Ich stelle die Farbauszüge schon beim Fotografieren auf
SW-Material her - damit erspare ich mir Qualitätsverluste durch das umkopieren. Nachteil:
Nur bewegungslose Motive kommen in Betracht. Sie brauchenein sehr gutes Stativ, damit die
drei Filme auch absolut deckungsgleich aufgenommen werden. Die Belichtungszeit hängt sehr
von Sensibilisierung des SW-Filmes ab; Kodak-Filme sind zum Beispiel grünempfindlicher
als Emulsionen von Agfa.
Faustregel: Belichten Sie den Rotauszug fünfmal, Grün zehnmal und Blau 15mal länger, als ohne Filter.
Bei niedrigempfindlichen Filmen kommt man leicht auf
Belichtungszeiten von 30 Sekunden und mehr. Achtung Schwarzschildeffekt, denken Sie an die
vom Hersteller des Films empfohlene Belichtungsverlängerung!
Alle drei Negative sollten die gleiche Dichte und den
gleichen Tonwertumfang haben, also gleich hell oder dunkel wirken. Hierin unterscheidet
sich mein Verfahren deutlich von der Arbeit einer Reproanstalt, wo der Fachmann sofort
erkennt, welcher Druckfilm zu welcher Farbe gehört.
Für den Gummidruck brauchen Sie 1:1-Negative in der Größe
des geplanten Bildes. Deshalb entwickle ich den belichteten Film mit Tetenals
Umkehrentwickler-Kit gleich als SW-Dia. Das geht im Prinzip gut.
Mein Tip hierzu:
Verdünnen sie den Erstentwickler auf 600 statt 500 ml und entwickeln sie dafür zehn Prozent länger.
Wenn Sie gründlich zwischenwässern, können Sie statt der
angegebenen vier sogar bis zu acht Filme verarbeiten. Von den so entstandenen SW-Dias
belichten man die großen Druckfilme. Ich empfehle den Agfa GO 21Op, weil sich seine
Gradation über Gelb- und Blaufilter gut steuern läßt. Dieses Material arbeitet
orthochromatisch und kann bei rotem Dukalicht verarbeitet werden. Lassen Sie einige
Zentimeter Rand, auf den später die Passerkreuze kommen.Entwickeln Sie den Film in
Rodinal oder einem Papierentwickler oder auch im speziellen Agfa G5.
Nach dem Trocknen bringen Sie die Passerkreuze auf. So geht
es am einfachsten: Heften Sie einen der Filme mit Tesa auf eine Glasplatte oder auf das
Leuchtpult und tragen Sie Passerkreuze auf. Bringen Sie darauf den zweiten Film zur
Deckung und übertragen Sie die Passer. Dann tauschen Sie den Film gegen Auszug Nummer
drei aus, den Sie ebenfalls markieren. Größte Passgenauigkeit erhalten Sie, wenn die
Kreuze jeweils in eine Filmecke gezeichnet werden.
Jetzt muß man auf den Filmen die Druckfarbe notieren. Das
rot gefilterte Negativ ergibt den Film für die Cyanschicht, das grün gefilterte den für
die Magentaschicht und das blau gefilterte druckt die Yellowschicht.
3. Do it yourself:
Die Druckfarben
Für die drei Grundfarben gibt es eine DIN-Norm. Offset- oder
Retuschierfarben, die dieser Norm entsprechen, finden Sie leicht. Aber ein passendes
Pigment für den Gummidruck bekommt man nicht. Alle angebotenen Farben wurde irgendwie
gemischt und tragen dann Namen wie "Hellgelb" oder "Hellblau"
(Schminckes Gouachen). Dr. Kremers Farbmühle in Aichstetten liefert (fast) passende
Pigmente:
- Brillantgelb PY 74,
- Permanentrot PR 7 und
- Heliogenblau PB 15 .
Alle drei Pigmente haben höchste Lichtechtheit (8) und sind
äußerst fein gerieben.
Schmincke verkauft "Küppers-Studien-Malfarben",
die mit allen sechs Grundfarben und Schwarz ein komplettes Farbsystem bilden. Küpper, ein
Verfechter des Sieben-Farben-Drucks im Offsetbereich, entwickelte diese Temperafarben zum
100jährigen Jubiläum der Künstlerfarben-Fabrik. Die Farben entsprechen genau den
Pigmenten, die wir für den Naturfarbendruck benötigen. Leider färbt das anilinhaltige
Magenta die Gelatinepräparation so stark ein, daß diese Farben nur mit einer Vorleimung
aus Dispersion eingesetzt werden sollte.
Weil das Cyan nicht die nötige Tiefe bringt - alle Farben
sind stark lasierend -, brauchen Sie bei Verwendung dieser Farben einen zusätzlichen
Schwarzdruck. Dazu reicht es, wenn Sie alle drei Druckfilme absolut deckungsgleich auf
eine Glasplatte montieren und den Schwarzdruck durch alle drei Filme belichten. Dabei
werden lediglich die Schatten gedruckt. Die Mitteltöne und Lichter kommen wegen der hohen
Negativdichte nicht durch.
4. Die Farbemulsion ist empfindlich
Bei Beschichtung mit den erwähnten Pigmenten von Schmincke
oder Kremers können wir uns auf drei Farben beschränken. Weil Gelb die größte
Deckkraft mitbringt, fangen wir mit dieser Farbe an; würden wir Gelb erst später
auftragen, könnte es die anderen Farben in den Hintergrund drängen. Es folgen Magenta
und zum Schluß noch Cyan. Stimmt die Mischung und sind die Schichten nicht zu dick, so
bekommen Sie einen Farbgummidruck, der auch ein recht tiefes Schwarz zeigt.
Wir benötigenals Bindemittel für die Farbemulsion
Gummiarabicum; ein Chromat sorgt für die Sensibilisierung. Ich verwende eine
20-prozentige Ammoniumdichromatlösung mit destilliertem Wasser. (Achtung: Nie mit ungeschützten Händen reingreifen, Handschuhe
benutzen!).
Als Gummi kommt nur das pulverisierte "Gummi
arabisch" in Frage, alle anderen Sorten färben den Yellow-Druck zu sehr ein. Bekommt
man in der Chemikalienhandlung. Die Gummilösung sollte nie älter als drei Tage sein; die
Chromlösung hält sich dagegen, kühl und dunkel gelagert, über Monate.
Setzen Sie ein Gewichtsanteil Gummipulver mit drei
Gewichtsteilen Wasser an; das Gummi hat sich nach einigen Stunden aufgelöst.Verwenden sie
Kremer-Pigmente, benötigen Sie noch Spiritus. Chrom- und Gummilösung setzt man immer im
gleichen Verhältnis an. Auch der Spirituszusatz bleibt unverändert. Variiert wird nur
die Menge der jeweiligen Farbe. 120 ml Lösung (also je 50 ml Chromat und Gummi
plus 20 ml Spiritus) reichen für die Beschichtung von zehn Bögen 50x60 Zentimeter
inklusive der Menge, die im Pinsel verbleibt, einem acht bis zehn Zentimeter breiten
Borsten- oder Firnispinsel.
Wiegen Sie zunächst das Pigment ab. Für den Yellowdruck
braucht man 4,5g, für Magenta 2,5g und für Cyan 2,2g.
Wer mit Fertigfarben arbeitet, sollte den Festkörpergehalt (also den Pigmentanteil)
ermitteln und dementsprechend mehr abwiegen. Diese Angaben beziehen sich auf 120 ml
Gummilösung samt Spiritus.
Bei Schminckes Küppers-Farben brauchen Sie 15g
Yellow, 12g Magenta und 12g Blau. Hier können Sie auf
den Spiritus verzichten. Für den zusätzlichen Schwarzdruck brauchen Sie 10g
schwarze Fertigfarbe.
Geben sie das Pigment oder die Fertigfarbe in ein Glas und
gießen sie 20 ml Spiritus darauf. Rühren Sie mit einem Pinsel, bis sich die
Pigmente gelöst haben. Erst dann schüttet man 50 ml Gummilösung dazu, verrührt
wieder und ergänzt um 50 ml Chromlösung. Halten Sie dabei jedoch unbedingt
Tageslicht fern, denn die Farbemulsion sehr lichtempfindlich. Gießen Sie die Lösung
durch ein Teesieb - so wissen Sie, daß keine Farbklümpchen mehr in der Lösung sind.
Dann tragen Sie die Emulsion sofort auf die vorbereiteten Bögen auf. Belichten und
entwickeln wie üblich. Die Belichtung kann bei starkem Sonnenlicht und dünnen Negativen
schon nach 30 Sekunden abgeschlossen sein. Mit einem 2x1000-W-Halogenstrahler aus 80
Zentimeter Entfernung brauchen Sie vier Minuten bei dünnen Negativen, bis 15 Minuten bei
dichten Druckfilmen.
5. Die Übertragung der Auszüge
Kopieren Sie das erste - also das gelbe
Bild - so, daß es innerhalb von rund zehn Minuten ohne viel Nachhilfe
ausentwickelt ist. Der nasse Druck muß - ohne daß das Chromsalz ausgewaschen wurde - in
hellem Licht gut durchtrocknen. Das restliche Chrom in der Gummischicht härtet das
Gelbbild stark nach. Das ist wichtig, weil sich sonst das gelbe Einzelbild bei den
nächsten Beschichtungen wieder etwas anlösen könnte. Auf dem trockenen Papierbogen
ziehen Sie nun die Passerstriche mit einem schwarzen Kugelschreiber nach und markieren ihn
an der unteren Bildkante mit einem Kreuz. Auf diese Weise bringen Sie die nächsten Kopien
passgenau auf.
Mit der gleichen Emulsion und rotem Pigment können Sie den
nächsten Druck aufbringen. Bei gleich deckenden Filmen ist mit gleichen Belichtungszeiten
zu rechnen. Entwickeln Sie so lange, bis ein leuchtend oranges Bild entsteht. Alle
Mischungen, die Yellow und Magenta enthalten, sind damit bereits übertragen. Jetzt
trocknen Sie wieder und streichen die Cyanemulsion auf.
Hier dauert die Entwicklung deutlich länger. Das
eingelagerte gelbe Chromsalz macht eine Beurteilung der Farben sehr schwer. Am
durchgetrockneten Druck sind Korrekturen kaum möglich. Man taucht deshalb den noch nicht
voll ausentwickelten Cyandruck in ein 10- bis 15prozentiges Alaunbad, das nicht wärmer
als das Entwicklungswasser sein darf. Hier verschwindet das Chromat aber recht langsam.
Schneller wirkt das Bad, wenn man etwas Natriumbisulfit einstreut. Dieses Bad sollten Sie
keinesfalls in der Dunkelkammer ansetzen - die Dämpfe sind nicht nur unangenehm, sie
schaden auch Ihren Fotomaterialien. Mit der Zeit bekommt man jedoch einen Blick dafür,
wieviel Chrom noch im Papier ist und wie das Blatt aussehen wird, wenn der Gelbstich erst
einmal ausgewaschen ist.
Haben Sie alle drei Farben übereinanderkopiert, dann müßte
ein Farbfoto entstanden sein. Man läßt gut durchtrocknen und wässert anschließend sehr
gründlich. Mit Eiweißlasur-Farben, zum Beispiel von Schmincke nach DIN-Norm, gehen Sie
jetzt ans Retuschieren - logischerweise auch nur mit drei Farben.
Zusatz: Naturfarbiger Gummidruck
Vorpräparation des Papiers:
Schellack + Borax der Fa. Krämer-Pigmente, 88317
Aichstetten, 07565/1011
Best. Nr. 6047
Ansatz: 50 g auf 250 ml Wasser (60 oC).
Dann:
10 g Gelatine auf 150 ml Wasser......dann:
50 ml der Schellacklösung zugeben und 2x vorpräparieren.
Farbschichten:
4 g Yello (2331)
2,5 g Magenta (2340)
2,0 g Cyan (2305)
Yello = 50% Permanentgelb + 50% Nickeltitangelb (43200).
Magenta = 50% Ultramarinrot (1260) + 50% violett (2315)
Heliogelbblau pur (2307)
jeweils über Nacht mit 20 ml Spiritus ansetzen.
Gummilösung:
40 g auf 100 ml Wasser.
Mischung der einzelnen Farben:
Spiritusansatz + 50 ml Gummilösung + 50 ml 20 %ige
Dichromatlösung.
Ansatz für alle Farben gleich.
Belichtung: Y : M : Cy = 7 : 5 : 4 in etwa.
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