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Der Platindruck
von
Arthur Freiherrn von Hübl,
k. u. k. Major und Vorstand der
technischen Gruppe im
k. u. k. militär-geographischen Institute in Wien.
Druck und Verlag von
Wilhelm Knapp
Halle a. S. 1895
INHALT
Das Prinzip des
Platindruckes
I. Abschnitt
Das Platinpapier und seine Herstellung
1. Die Eisensalze
A. Das oxalsaure Eisenoxid
(Eisen-III-oxalat)
B. Das
Eisen-II-oxalat
C. Die Doppelsalze des Eisen-III-oxalats
2. Die
Verb. des Platins und ihr Verhalten gegen Reduktionsmittel
A. Das Platinchlorid
(Platinichlorwasserstoffsäure)
B. Das Palladium
3. Die Chemie des
Platindruckes
A.
Vorgang bei der Belichtung
B.
Vorgang bei der Entwicklung
4. Das Rohpapier
und seine Vorbereitung
5. Die Sensibilisierung
A. Zusammensetzung der
Sensibilisierungslösung
1. Die Menge des Platinsalzes
2. Die Menge des Eisensalzes
3. Zusätze zur Sensibilisierung
3.a Oxidierende Substanzen
3.b Reduzierende Substanzen
B. Das Überziehen des
Papiers mit der Sensibilisierung
6. Die
Haltbarkeit der sensibilisierten Papiere
II. Abschnitt
Die Ausführung den Platindruckes
1. Methode.
Platin-Eisenpapiere mit Entwicklung
Der Entwicklungsprozeß
Das Kopieren auf
Platinpapieren
A.
Der Kaltentwicklungsprozeß
Das Entwickeln
B.
Der Heißentwicklungsprozeß
Das Entwickeln
Sepia-Platinbilder
Sepiadrucke mit kalter Entwicklung
2. Methode. Eisenpapier mit Platin im Entwickler
3. Methode. Der Platindruck mit Selbstentwicklung
Praktische Ausführung
Auskopierverfahren von J. Pizzighelli
A. Schwarze Bilder
Das Kopieren
B. Sepiabilder
a) Mit Palladiumsalzen
b) Mit Quecksilbersalzen
Vergleich der Methoden
A) Der Charakter der Bilder
B) Die Herstellung das
Papiers
C) Die Haltbarkeit des
Papiers
D) Das Kopieren
E) Das Entwickeln
F) Der Platinverbrauch
III. Abschnitt.
Die Vollendung der Platinkopien.
1. Das Verstärken und
Färben.
A)
Silberverstärkung.
B)
Platinverstärkung.
C) Die
Goldverstärkung.
D) Färben der Platinbilder
mit Uran- und Eisensalzen.
2. Die
Retusche und die Ausstattung der Bilder.
Die Retusche
3. Haltbarkeit der
Platindrucke.
4. Über die
Anwendung des Platinprozesses.
Während viele Silbersalze, besonders das
bekannte Chlorsilber, bei der Belichtung eine Zersetzung erfahren und sich unter
Ausscheidung des Metalles schwärzen, ist gegenwärtig kein Platinsalz bekannt, dem diese
Eigenschaft zukommen würde.
Um daher Platinbilder herzustellen, muß stets ein Umweg eingeschlagen werden.
Man überzieht das Papier mit
einer passenden, lichtempfindlichen Substanz, kopiert unter einem Negativ und verwandelt
dann die so erhaltene, provisorische Kopie in ein Platinbild. Dieser Umwandlungsprozeß
beruht immer auf Reduktion eines Platinsalzes; die belichteten Stellen der Kopie müssen
reduzierende Eigenschaften besitzen, sie müssen imstande sein, Platin aus seinen
Lösungen in metallischer Form, als zartes, dunkles Pulver abzuscheiden. Aus diesen
Erwägungen folgt, daß die lichtempfindliche Schicht durch Einwirkung des Lichtes
reduzierende Eigenschaften annehmen muß.
Eine solche lichtempfindliche Substanz ist z. B. das Chlorsilber; im Licht entsteht
metallisches Silber oder Subchlorid und diese Körper sind imstande, Platinsalze zu
zersetzen. Taucht man also ein auf Chlorsilberpapier hergestelltes Bild in die Lösung
eines Platinsalzes, so tritt an Stelle der vorhandenen Silberteilchen metallisches Platin
- das Silberbild wird in ein Platinbild umgesetzt. Man macht von diesem Prozeß, den man
als »Platintonung« bezeichnet, vielfach Gebrauch. Benutzt man, wie üblich, als Tonbad
eine Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat (K2PtCl4), so läßt sich die
Umsetzung der Silberkopie in ein Platinbild durch folgende Formel ausdrücken:
2 Ag + K2PtCl4
= 2 AgCl + Pt + 2 KCl
Es gelingt aber auf diesem Wege nicht,
lediglich aus Platin bestehende Bilder herzustellen.
Die Umsetzung ist immer nur eine teilweise und auch nach langer Dauer des Prozesses
enthält das Bild zum großen Teil noch unverändertes Silber, wie dies ja auch beim Tonen
mit Goldsalzen der Fall ist. Platingetonte Silberdrucke bleichen daher bei der Behandlung
mit Kupferchlorid, Quecksilbersublimat etc. aus, weil das noch unverändert, Silber durch
diese Reagenzien in weißes Chlorsilber übergeführt wird. Das Betupfen eines Bildes mit
Kupferchloridlösung ist daher ein bequemes Mittel um platingetönte Silberkopien von
wirklichen Platinbildern zu unterscheiden.
Bei dem oben angeführten Tonprozeß entsteht
Chlorsilber und um das Bild lichtecht zu machen, muß dieses durch Behandlung mit
Fixiermitteln entfernt werden. Auch behält das Bild immer den Charakter der Silberkopie,
wenn auch seine Farbe den Platindruck vortäuscht. Ein anderer, viel rationellerer Weg zur
Herstellung von Platinbildern basiert auf der Anwendung lichtempfindlicher Eisensalze.
Gewisse 3-wertige Salze des Eisens werden nämlich im Licht leicht zu 2-wertigen
Eisensalzen reduziert, denen ein mehr oder minder kräftiges Reduktionsvermögen zukommt.
Überzieht man also Papier mit der Lösung eines Eisensalzes, das in der 3-wertigen Form
genügend lichtempfindlich ist und in der 2-wertigen so kräftig reduzierend wirkt, daß
es aus Platinverbindungen das Metall abzuscheiden imstande ist, so kann das bei der
Belichtung entstehende Eisenbild durch Behandlung mit Platinlösungen in ein Platinbild
umgesetzt werden.
Dieser Bedingung entspricht in vollkommener Weise das oxalsaure Eisenoxid
(Eisen-III-oxalat).
Bei der Belichtung eines mit diesem Salz überzogenen Papiers entsteht ein nur schwach
sichtbares, aus Eisen-II-oxalat bestehendes Bild. Dieses besitzt zwar an und für sich
nicht die Fähigkeit Platinsalze zu reduzieren, es erlangt aber diese Eigenschaft durch
Befeuchten mit einem gelösten Oxalat.
Um daher das schwach sichtbare Eisenbild in ein Platinbild überzuführen, taucht man es
in eine Platinsalz und Kaliumoxalat enthaltende Flüssigkeit. Auf allen vom Licht
getroffenen Stellen wird sich dann quantitativ das vorhandene Eisen-II-Salz in
metallisches Platin in Form eines schwarzen Pulvers abscheiden.
Man bezeichnet diese Umwandlung des provisorischen Eisenbildes in das definitive
Platinbild als »Entwicklung«.
Dem Eisen-Platin-Verfahren liegt stets dieses Prinzip zu Grunde, das sich aber in
verschiedener Weise praktisch durchführen läßt. Man kann:
1. wie oben angenommen,
Eisen-III-oxalat-Papier belichten und mit einer Lösung von Platinsalz und Kaliumoxalat
entwickeln (»Platindruck mit Platin im Entwickler«),
2. das Platinsalz der
Eisen-III-oxalatlösung zufügen, mit dieser Mischung das Papier sensibilisieren und nach
dem Belichten das Bild mit einer Lösung von Kaliumoxalat entwickeln (»Heißentwicklungsverfahren«),
3. die
Sensibilisierungslösung überdies mit der entwickelnden Substanz versetzen, das Papier
also mit einer Mischung von Eisen-III-oxalat, Platinsalz und Kaliumoxalat sensibilisieren.
In diesem Fall ist nach der Belichtung lediglich das Befeuchten mit Wasser erforderlich,
um die Entstehung des Platinbildes zu bewirken
(»Platindruck mit Selbstentwicklung«).
Alle drei Verfahren finden in der Praxis
Verwendung:
Das erste, der »Platindruck mit Platin
im Entwickler«, wird verhältnismäßig wenig angewendet, verdient aber die vollste
Beachtung, denn es übertrifft an Schönheit der Resultate, Sicherheit und Klarheit der
Ausführung die beiden anderen Methoden.
Bei dem zweiten Prozeß kann der Entwickler
entweder im heißen Zustand benutzt werden »Heißentwicklungsverfahren«, wobei
die Umwandlung des Eisenbildes sehr rasch vor sich geht oder man wendet kalte Lösungen
von Kaliumoxalat an »Kaltentwicklungsverfahren«, was einen etwas trägeren Verlauf der
Entwicklung zur Folge hat.
Der Heißentwicklungsprozeß ist das älteste Verfahren, es erfordert eine kurze
Belichtung und liefert sehr weiche, zarte Bilder; die Kaltentwicklung macht zwar eine
etwas längere Belichtung notwendig, die Bilder neigen leicht zu übermäßiger Brillanz,
sie ist aber so einfach durchzuführen, daß sie in neuerer Zeit vorwiegend zur Anwendung
gelangt.
Das dritte Verfahren, oder »Platindruck
mit Selbstentwicklung«, wurde von J. Pizzighelli 1887 beschrieben und hat sich,
wegen der Einfachheit der Ausführung und der Sicherheit beim Kopieren, zahlreiche Freunde
erworben. Belichtet man dieses Papier trocken, so wird auch nur ein schwaches Eisenbild
sichtbar werden, das aber sogleich in das schwarze Platinbild übergeht, wenn man dem
Papier Feuchtigkeit, etwa durch Anhauchen, zuführt. Legt man daher das Papier in feuchtem
Zustand in den Kopierrahmen ein, so findet schon während der Belichtung die
Platinreduktion statt, das Bild wird schon während des Kopierens sichtbar.
Die Farbe der Platindrucke variiert zwischen
Blauschwarz und Braunschwarz und hängt von der eingeschlagenen Methode und der Gegenwart
gewisser Substanzen ab.
- Durch Zusatz von Palladium- oder Quecksilbersalzen können auch Platinbilder von reiner,
brauner Farbe hergestellt werden.
Nach dem Entwickeln, gleichgültig in welcher
Weise dieses vorgenommen wurde, hat man, um das Bild zu vollenden, nur noch das dem Papier
anhaftende Eisen und Platinsalz durch Auswaschen zu entfernen. Man benutzt hierzu stets
eine verdünnte Säure, meist Salzsäure, und wäscht die Kopien schließlich behutsam in
fließendem oder mehrmals gewechseltem Wasser. Wie ersichtlich übertrifft die Technik des
Platindruckes an Einfachheit jedes andere Verfahren. Die notwendigen Präparate sind
gegenwärtig käuflich zu beziehen und vollkommen haltbar. Das Auftragen der
lichtempfindlichen Lösungen erfordert weder eine besondere Geschicklichkeit, noch eigene
Apparate und Einrichtungen, das Papier ist längere Zeit haltbar und übertrifft in Bezug
auf Lichtempfindlichkeit jedes Chlorsilber- und Pigmentpapier. Die bei Silberbildern
notwendigen Fixiermittel, deren letzte Reste aus dem Papier nur schwer zu entfernen sind
und häufig die Ursache des frühzeitigen Verderbens der Kopie bilden, entfallen bei
diesem Prozeß ebenso wie die Notwendigkeit der teuren Goldbäder.
So ist beispielsweise Eisenchlorid vollkommen
unveränderlich, in Berührung mit Stärke, Papier, Oxalsäure etc. wird es aber bei der
Einwirkung des Lichtes in die 2-wertige Form umgewandelt. Von dieser Tatsache kann man
sich leicht überzeugen:
Die Eisen-III-salze reagieren nicht mit rotem Blutlaugensalz, die Eisen-II-salze dagegen
geben mit dieser Substanz einen intensiv blauen Niederschlag.
Trägt man die Lösung von Eisenchlorid auf Papier auf und trocknet im Dunkeln, so wird es
durch eine Lösung von rotem Blutlaugensalz nicht verändert, belichtet man aber das
Papier, so färbt es sich mit diesem Reagens intensiv blau. Das Eisenchlorid hat die
Tendenz, einen Teil der Chloratome abzuspalten, mit reduzierenden Stoffen, d. h. mit
solchen Substanzen , welche die Tendenz zur Oxidation besitzen, z.B. mit schwefliger
Säure, in Berührung gebracht, geht die Reduktion zu Eisenchlorür sehr rasch vor sich.
Stärke, Papier und Oxalsäure oxidieren sich aber nicht so leicht wie schweflige Säure,
sie reduzieren Eisenchlorid erst dann , wenn durch Einwirkung des Lichtes eine Lockerung
der Chloratome eintritt oder die Tendenz der organischen Substanz, sich zu oxidieren,
dadurch erhöht wird.
Die Eisenoxidsalze werden daher bei der Belichtung um so leichter reduziert, je leichter
oxidierbar, je unbeständiger die vorhandene organische Substanz ist. So verändern sich
Mischungen von Eisenchlorid mit Oxalsäure viel leichter und rascher als solche mit
Stärke oder Gummi. Die Eisensalze der organischen Säuren enthalten den oxidierbaren,
organischen Körper in chemischer Verbindung, sie sind daher häufig an und für sich
schon lichtempfindlich.
Dr. J. M. Eder 1 hat zahlreiche Eisensalze in Bezug auf ihre
Lichtempfindlichkeit untersucht und ist zu dem Resultate gelangt, daß eine Mischung von
Eisenchlorid mit Oxalsäure bei der Belichtung am raschesten verändert wird , dann folgt
das oxalsaure Eisenoxid und seine Doppelsalze, die Mischungen von Eisenchlorid mit
Weinsäure und Zitronensäure und das Eisentartrat und Zitrat.
Dr. J. M. Eder hat weiter festgestellt, daß die wässerigen Lösungen und die
festen oder auf Papier eingetrockneten Salz sich in Bezug auf Lichtempfindlichkeit häufig
verschieden Verhalten, daß daher die Raschheit der Zersetzung im Licht durch die etwa
vorhandene Feuchtigkeit des mit den Salzen präparierten Papiers beeinflußt werden kann.
Unter allen Verhältnissen übertrifft aber
die Mischung von Eisenchlorid mit Oxalsäure alle anderen Verbindungen und ihr zunächst
steht das oxalsaure Eisenoxid. Dem bei der Belichtung entstehenden Oxidulsalz kommen
entsprechend der Natur des verwendeten Oxidsalzes verschiedene Eigenschaften zu.
Die Verbindungen des Eisenoxids mit den
Mineralsäuren sind vollkommen lichtbeständige Körper; mischt man sie aber mit
organischen Substanzen, so werden sie im Licht zu Oxidulsalzen reduziert.
Die Farbe des Eisen-II-salzes kann heller oder dunkler als jene des Oxidsalzes sein. So
bleicht ein mit Eisenchloridlösung präpariertes Papier bei der Einwirkung des Lichtes
aus, während ein mit oxal-, wein- oder zitronensaurem Eisen überzogenes Papier dunkler
wird. Die Feuchtigkeit spielt hierbei eine bedeutende Rolle und im allgemeinen ist bei
vollkommen trockenen Papieren eine intensivere Farbenveränderung zu bemerken als bei
solchen, die im feuchten Zustand belichtet werden. Immer ist diese Farbenveränderung eine
nur geringe und dieser Umstand erschwert in hohem Grade die Anwendung von Eisenpapieren
für photographische Kopierzwecke.
Alle Oxidulsalze des Eisens zeigen gegenüber
den Oxidsalzen ein charakteristisches, chemisches Verhalten und dieser Unterschied macht
es möglich, das beim Kopieren entstehende Bild deutlich sichtbar zu machen, indem das
photochemische Zersetzungsprodukt der lichtempfindlichen Eisenoxidschicht in einen
anderen, intensiv gefärbten Körper umgewandelt wird. Charakteristisch für alle
Eisensalze ist das oben erwähnte Verhalten gegen rotes Blutlaugensalz und dieses liegt
der bekannten Cyanotypie zu Grunde. Eisenoxidulsalze werden weiter durch Gallussäure,
Tannin, Paraamidophenol etc. nicht verändert, während Oxidulsalze schwarz gefärbt
werden. Diese Eigentümlichkeit ermöglicht die Durchführung eines Lichtpausprozesses,
den man als Tintenprozeß bezeichnet.
Charakteristisch endlich für die
Eisenoxidulsalze ist ihre Fähigkeit, aus den Salzen der edlen Metalle letztere
abzuscheiden und diese Eigenschaft ermöglicht die Herstellung von Silber-, Gold- und
Platinbildern mit Hilfe von Eisensalzen. Die Reduktionsfähigkeit der verschiedenen
Eisenoxidulsalze ist sehr verschieden; so wirkt beispielsweise das Eisen-II-chlorid zwar
auf Goldsalze zersetzend, ist aber ohne jede Wirkung auf die Salz des Platins, während
die Oxidulsalze der organischen Säuren, besonders aber das Oxalat, Platinverbindungen mit
Leichtigkeit zerlegen.
Aus diesem Grunde benutzt man bei der
Herstellung von Platinbildern ausschließlich dieses Eisensalz (Eisen-III-oxalat).
gewinnt man durch Digerieren von
Eisenoxidhydrat mit einer Lösung von Oxalsäure.
Man erhält eine grünlichgelbe Flüssigkeit; welche, sich selbst überlassen, zu einer
amorphen, spröden, durchsichtigen Masse eintrocknet. Wird das Eisenoxidhydrat im
Überschuß verwendet, und wird die Digestion lange Zeit fortgesetzt, so ist die Farbe des
gelösten Eisensalzes braun und trübt sich beim Kochen, während sich das überschüssige
Oxid in ein schweres, gelbes Kristallpulver verwandelt hat, das bei weiterem Zusatz von
Oxalsäure nur schwer in Lösung zu bringen ist.
Es sind in diesem Fall basische Oxalat entstanden und in geringer Menge in Lösung
gegangen, wodurch die braune Farbe der Flüssigkeit und ihr Verhalten beim Erhitzen
bedingt ist.
Für die Zwecke des Platindruckes benutzt man
eine 20 %ige Eisen-III-oxalatlösung, welche aus später zu erörternden
Gründen auf je 100 ml mit 1-2 g kristall. Oxalsäure versetzt wird. Das spezifische
Gewicht dieser Lösung beträgt 1,152, ihre Farbe ist grün mit schwach
gelblichem Stich, während die nicht angesäuerte Flüssigkeit eine grünlichgelbe Farbe
zeigt. Aus dem Aussehen einer bei Tageslicht betrachteten Probe kann man daher auf die
richtige Zusammensetzung des Präparates schließen.
Zur Darstellung der Eisen-III-oxalatlösung
verwendet man Eisen-III-chlorid, fällt mit Ätznatron oder Soda und digeriert das
entstehende Eisenhydroxid mit Oxalsäure. Durch eine Analyse der Flüssigkeit lernt man
den Gehalt an Eisenoxalat kennen, worauf man entsprechend mit Wasser verdünnt und mit
Oxalsäure ansäuert. Wie ersichtlich ist die Darstellung dieses Präparates wegen der
notwendigen Analyse nur im Laboratorium ausführbar.
W. Weißenberger 2 schlägt daher vor, die Eisen-III-oxalatlösung aus
einer genau gewogenen Menge eines unveränderlich haltbaren Eisensalzes, des
Ammoniak-Eisenalauns, herzustellen, wodurch die Analyse der Flüssigkeit überflüssig
wird.
Der Ammoniak-Eisenalaun,
(NH4)2Fe2 (SO4)4
+ 24 H2O, ist ein im Handel sehr
rein vorkommendes Salz von stets gleicher Zusammensetzung. Es enthält 11,62 %
metallisches Eisen. Man bewahrt das Präparat in geschlossenen Gefäßen auf, da es sonst
verwittert und dann einen größeren Gehalt an Eisen aufweist.
Das Eisen-III-oxalat enthält 29,78 Prozent metallisches Eisen, daher sind in 100 ml
der 20 %igen Lösung 5,96 oder annähernd 6 g Eisen vorhanden.Man hat also zur Darstellung
von 100 ml der Eisen-III-oxalatlösung eine 6 g Eisen entsprechende Menge
Ammoniak-Eisenalaun, also 51,63 g zu benutzen.
Weißenberger löst dieses Quantum Eisenalaun in heißem Wasser, fällt mit Sodalösung
Eisenhydroxid aus, bringt den Niederschlag auf ein Filter und löst ihn nach dem
Auswaschen in Oxalsäure derart, daß man 100 ml Flüssigkeit erhält.
Da heiß gefälltes Eisenhydroxid sich unter Umständen nur sehr schwer in Oxalsäure
löst, und da das Herabnehmen des Niederschlages vom Filter ohne Verluste kaum möglich
ist, hat der Verfasser die Methode Weißenberger's in folgender Weise modifiziert:
Alle Operationen, das Fällen das
Hydroxids, sowie das Waschen und Lösen desselben werden in einem Glaszylinder von ca. 7
cm Durchmesser und 26 cm Höhe vorgenommen. Auf der Außenwand desselben wird die Höhe
von 85 ml Wasser durch einen aufgeklebten Papierstreifen markiert. Um ein leicht
lösliches und nicht voluminöses Hydroxid zu erhalten, fällt man in konzentrierter
Lösung und in kaltem Zustand mit Ammoniak. Von dem in Kristallform vorrätig gehaltenen
Ammoniak-Eisenalaun wird eine entsprechende Menge in der Reibschale zerrieben und 52 g
(der gegen 51,63 g. gewählte Überschuß ist als Ersatz für unvermeidliche Verluste beim
Waschen des Hydroxids bestimmt) abgewogen. Man bringt das Pulver in den Zylinder und
übergießt es mit 20 ml Ammoniak und 20 ml Wasser, wobei sich das Eisenhydroxid als
dunkelbrauner Niederschlag abscheidet. Mittels eines Glasstabes verrührt man das
Alaunpulver und läßt dann einige Minuten unter öfterem Umschwenken stehen. Dann füllt
man den Zylinder mit Wasser an, rührt den Niederschlag tüchtig auf, entfernt den
Glasstab und läßt solange stehen bis die über dem Eisenhydroxid stehende Flüssigkeit
fast klar erscheint. Diese wird nun vorsichtig abgegossen, worauf man erneuert Wasser
auffüllt und diese Operation so oft wiederholt, bis die Flüssigkeit nicht mehr nach
Ammoniak riecht und rotes Lackmuspapier nicht mehr blau färbt. Zum Schluß muß die
Flüssigkeit soweit abgegossen werden, daß sie nur mehr bis zur Marke reicht. Man
zerreibt jetzt chemisch reine, kristallisierte, nicht verwitterte Oxalsäure und setzt
21,5 g derselben zu dem im Zylinder befindlichen Niederschlag. Diese, sowie die folgenden
Operationen müssen bei gelbem oder bei Lampenlicht vorgenommen werden. Die Vereinigung
des Eisenhydroxids mit der Oxalsäure geht fast momentan vor sich und sobald die
Flüssigkeit klar geworden ist, übergießt man sie in einen 100 ml fassenden
Meßzylinder. Ihr Volumen wird ca. 95 ml betragen. Mit etwas Wasser, welches man zum
Ausspülen des Zylinders benutzt, ergänzt man auf 100 ml und filtriert schließlich in
die Vorratsflasche. Sollte die Farbe der Lösung nicht entsprechen, d.h. würde eine bei
Tageslicht besehene Probe zu gelb erscheinen, was der Fall sein kann, wenn das Auswaschen
mit genügender Sorgfalt geschah, so fügt man der Flüssigkeit etwas feste Oxalsäure zu.
Die eben beschriebene Darstellungsweise der
Eisen-III-oxalatlösung ist bei einiger Übung in 3 bis 4 Stunden durchführbar; sie ist
daher empfehlenswerte, wenn man sich rasch eine geringe Menge der Flüssigkeit beschaffen
will. Seit einiger Zeit bringt
Th. Schuchardt in Görlitz das
Eisen-III-oxalat als trockenes Präparat in Form grünlichgelber, glänzender Lamellen in
den Handel. Es enthält bereits den früher angegebenen Zusatz von Oxalsäure und ist zum
Gebrauch lediglich in 4 ½ Gewichtsteilen Wasser zu lösen und zu filtrieren. Dem Licht
ausgesetzt, verliert das Präparat rasch den Glanz, gewinnt ein mattes Aussehen, ist in
Wasser nur mehr teilweise löslich und kann in diesem Zustand für photographische Zweck
nicht mehr verwendet werden. Man hat es daher sorgfältig gegen Licht geschützt
aufzubewahren. Mit rotem Blutlaugensalz darf sich die Lösung des Eisen-III-oxalates
höchstens grünlich Färben, keinesfalls darf hierbei ein blauer Niederschlag entstehen,
der das Vorhandensein von Oxidulsalz anzeigen würde.
Die Lösung des oxalsauren Eisenoxids vermag
zahlreiche wasserunlösliche Salze, z. B. oxalsaures Blei, Kaliumplatinchlorid etc., in
relativ großen Quantitäten zu lösen.
Erhitzt man die Lösung des Eisen-III-oxalates, so wird sie rötlichgelb, zeigt aber nach
dem Abkühlen wieder die ursprüngliche Farbnuancen. Dabei findet eine teilweise Reduktion
statt, daher eine zum Kochen erhitzte Lösung mit rotem Blutlaugensalz einen blauen
Niederschlag gibt. Auf Papier aufgetragen trocknet das Eisen-III-oxalat mit gelber Farbe
ein, die beim Erwärmen in Orange übergeht. Die Lösung ist lichtempfindlich, muß daher
im Dunkeln aufbewahrt werden.
Der bei der Belichtung sich abspielende Prozeß findet in
nachstehender Gleichung seinen Ausdruck:
Fe2(C2O4)3
= 2 FeC2O4 + 2 CO2
Nach Dr. J. M. Eder geht diese
Zersetzung in wässrigen Lösungen glatt vor sich, es entsteht Eisen-II-oxalat und
Kohlensäure.
- Andere Zersetzungsprodukte, wie
Ameisensäure, Kohlenoxid u.s.w., konnten nicht aufgefunden werden.
Als besonders wirksam fand Dr. J. M. Eder
den indigoblauen Teil des Spektrums, und nach Abney liegt das Maximum der Wirkung
zwischen den Linien F und G.
Ein mit Eisen-III-oxalat überzogenes Papier färbt sich im Licht zuerst grünlichbraun,
wird dann wieder heller und nimmt schließlich eine orangerote Farbe an.Bei teilweiser
Reduktion des Eisen-III-oxalates entsteht nämlich ein grünlichbrauner Körper, den man
auch erhält, wenn man in eine heiße Lösung des Oxidsalzes das Eisen-II-salz einträgt.
Erst, wenn das gesamte Eisensalz reduziert ist, tritt die rötliche Farbe des
Eisen-II-oxalates auf.
Setzt man ein mit Eisen-III-oxalat überzogener, Papier einer mit Wasserdämpfen
gesättigten Atmosphäre aus, so nimmt es schon nach einigen Stunden eine hellbraune Farbe
an und hat seine Lichtempfindlichkeit gänzlich verloren.
Das Eisensalz ist unlöslich im Wasser geworden und wird durch rotes Blutlaugensalz weder
vor noch nach der Belichtung verändert. Diese eigentümliche Zersetzungserscheinung
dürfte höchst wahrscheinlich auf die Bildung basischer Salz zurückzuführen sein, deren
Entstehung unter dem oxidierenden Einfluß der Atmosphäre und der reduzierender Wirkung
des Papiers als organische Substanz zustande kommt.
ist eine licht- und luftbeständige, im Wasser
unlösbarer Substanz, die selbst im feuchten Zustand ohne Wirkung auf Platinsalze ist. Von
den Lösungen der Alkalioxalate wird es zu Doppelsalzen gelöst, welchen reduzierende
Eigenschaften zukommen. Sie zersetzen leicht die Salz der edlen Metalle und ziehen mit
großer Begierde Sauerstoff aus der Atmosphäre an sich.- Ähnlich, jedoch weniger
energisch, wirkt das Befeuchten mit Zitraten, Tartraten, Acetaten oder Phosphaten.
Das Eisen-III-oxalat vereint sich mit vielen
Salzen zu kristallisierbaren Doppelverbindungen, von welchen jene mit den Oxalaten der
Alkalien am besten bekannt sind. Diese Salz verhalten sich nicht wie einfache Mischungen,
es sind vielmehr chemische Verbindungen, gut kristallisierbare, smaragdgrüne
Verbindungen, die sich vom Eisen-III-oxalat wesentlich unterscheiden.
Ihre Beständigkeit ist eine so große, daß die Lösungen stundenlang, ohne eine
Zersetzung befürchten zu müssen, gekocht werden können, dafür ist auch ihre
Lichtempfindlichkeit eine geringere als jene das Eisen-III-oxalats. Auch mit den
zitronensauren und weinsauren Alkalien entstehen ähnliche Verbindungen und es scheint,
daß auch zahlreiche anorganische Salz zur Bildung derartiger Verbindungen beteiligt sind.
So löst sich z. B. phosphorsaures Natrium reichlich in der Eisen-III-oxalatlösung unter
Bildung einer hellgrünen Flüssigkeit. Die Doppelsalze der Alkalioxalate werden
dargestellt, indem man eine Eisenchloridlösung mit soviel oxalsaurem Alkali versetzt,
daß die gelbe Farbe in Grün übergeht und dann kristallisierten läßt.
Das Kaliumeisen-III-oxalat,
K6Fe2(C2O4)6
+ 6 H2O (Eder und Valenta),
ist ziemlich schwer löslich (1 Teil
erfordert 5-6 Teil Wasser) und wird aus diesem Grunde, und weil es an der Luft leicht
verwittert, bei den photographischen Kopierprozessen nicht benutzt.
Das Ammoniumeisen-III-oxalat,
(NH4)6Fe2(C2O4)6
+ 8 H2O), (Eder und Valenta),
ist leicht löslich, es ist das am leichtesten
zersetzliche Salz dieser Gruppe und übertrifft in Bezug auf Lichtempfindlichkeit das
Kalium und Natriumsalz.
Das Natriumeisen-III-oxalat,
Na6Fe2(C2O4)6
+ 11 H2O), (Eder und Valenta),
ist auch bei verhältnismäßig niedriger
Temperatur leicht löslich, es ist ebenso stabil wie das Kaliumsalz und wird im
Platindruck fast ausschließlich verwendet. Man erhält es in großen Kristallen, es ist
daher leicht zu reinigen und im Dunkeln unverändert haltbar.
Dem Licht ausgesetzt werden die Kristalle oberflächlich gelb, indem sich etwas oxalsaures
Eisenoxidul bildet.
Da letzteres jedoch weder in Wasser noch in der Lösung von Natriumeisen-III-oxalat
löslich ist, so ist die durch Filtrieren gereinigte Flüssigkeit für alle Zweck
brauchbar.
Für die Zweck des Platindruckes benutzt man eine Lösung von 50 g des Salzes in
100 ml Wasser, die als Natrium-Eisenlösung bezeichnet werden soll.Bei der Belichtung
des festen Salzes oder seiner Lösung entsteht Natriumeisen-II-oxalat nebst Natriumoxalat
und Kohlensäure:
Na6Fe2(C2O4)6
= Na2Fe2(C2O4)3 + 2 Na2C2O4
+ 2CO2
Auf Papier eingetrocknet bildet die o.g.
Lösung eine gelblichgrüne Schicht, die auf ca. 100 oC erwärmt, in ein
sattes, reines Gelb übergeht, indem das Salz einen Teil des Kristallwassers verliert. Das
charakteristische Dunklerwerden des Eisen-III-oxalatpapiers im Licht ist bei den
Doppelsalzen nicht zu beobachten, das Papier nimmt lediglich eine rötliche Farbennuance
an, die jedoch erst bei lang andauernder Belichtung deutlich sichtbar wird.
Da das Natriumeisen-II-oxalat bei Gegenwart von Natriumoxalat und Feuchtigkeit begierig
Sauerstoff aus der Atmosphäre anzieht und sich dabei wieder zu einem Eisen-III-salz
oxidiert, so kann das auf Natriumeisen-III-oxalat-Papier kopierte Bild bei Gegenwart von
Feuchtigkeit nur von geringem Bestand sein.
Belichtet man daher trockenes Natriumeisen-III-oxalat-Papier unter einem Negativ und
taucht es dann in eine Lösung von rotem Blutlaugensalz, so wird ein kräftiges, blaues
Bild entstehen; wird aber das Papier nach der Belichtung durch Wasserdämpfe gefeuchtet,
so läßt sich nach einigen Minuten kein Bild mehr entwickeln, weil aus dem bei der
Belichtung gebildeten Oxidulsalz wieder ein Oxidsalz rückgebildet wurde.
Eine auf reinem Eisen-III-oxalat-Papier hergestellte Kopie ist dagegen auch bei Gegenwart
von Feuchtigkeit längere Zeit haltbar, da das Eisen-II-oxalat auch im feuchten Zustand
nur wenig zur Oxidation neigt.In einem mit Wasserdämpfen gesättigten Raum sind auch die
mit den Doppelsalzen präparierten Papiere nur kurze Zeit haltbar; sie nehmen eine braune
Farbe an und verlieren die Eigenschaft, im Licht verändert zu werden.
Die Verbindungen des Platins gehören durchaus
nicht zu den leicht reduzierbaren Substanzen und werden in dieser Beziehung von den Gold-
oder Silbersalzen weit übertroffen. Insbesondere existieren zahlreiche kompliziert
gebaute Platinsalze, wie die Verbindungen mit Cyan, salpetriger Säure, schwefliger
Säure, mit Ammoniak etc., aus deren Lösungen keines der bekannten Reduktionsmittel eine
Abscheidung des Metalls zu bewirken vermag. Diese Platinverbindungen sind von so stabiler
Form, daß sie auch durch die üblichen chemischen Reagenzien nicht als solche erkannt
werden können.Ähnliche Verbindungen bildet auch das Eisen.
So ist das bekannte Blutlaugensalz eine Eisen-Cyan-Kalium-Verbindung, welcher die
charakteristischen Eigenschaften der einfacher gebauten Eisensalze, z.B. die Fällbarkeit
durch Schwefelammonium, vollständig abgeht. Derartige Platinverbindungen können für die
Zweck des Platindruckes nicht in Betracht kommen. Die Zahl der einfach zusammengesetzten
Platinsalze ist dagegen eine sehr beschränkte; die Verbindungen mit den
Sauerstoffsäuren, wie etwa das schwefelsaure Salz, sind schwierig darzustellen und
unbeständig, die Jodverbindungen sind unlösliche, schwarze Körper, daher nur die Chlor-
und Bromsalze als für den vorliegenden Zweck brauchbare Präparate bezeichnet werden
können.
Das Platin bildet zwei Reihen
von Salzen: die Oxidul- oder Platino- und die Oxide oder Platini-Verbindungen und
dementsprechend existiert auch ein Chlorür und ein Chlorid, dann ein Bromür und Bromid.
Diese Verbindungen sind wasserunlösliche Substanzen, sie vereinigen sich aber mit
Salzsäure und den Chloriden zu kristallinen, wasserlöslichen Kristallen. Es wird auch
hier die Tendenz zur Bildung höherer Verbindungen, die für das Platin charakteristisch
ist, angetroffen.
Das Ausgangsmaterial für die Herstellung aller anderen Platinsalze ist die Verbindung des
Platinchlorids mit Salzsäure, die Platinichlorwasserstoffsäure, H4PtCl6+6 H20, die man, obzwar fälschlich, kurz als Platinchlorid bezeichnet. Es
bildet eine braungelbe, zerfließliche, stark sauer reagierende, in Wasser leicht
lösliche Masse. Mit Kalium- und Ammoniumchlorid vereint sich das Platinchlorid zu einem
unlöslichen, gelben Doppelsalze, während mit Natriumchlorid eine in Wasser leicht
lösliche Verbindung, das Natriumplatinchlorid, gebildet wird.
Das Natriumplatinchlorid,
Na2PtCl6 + 6 H20, kristallisiert in gelben Prismen, verliert, auf 100 Grad oC
erwärmt, das Kristallwasser und zerfällt zu einem gelben Pulver. Wie später gezeigt
werden soll, ist es für sich allein im Platindruck nicht verwendbar, bildet aber in
gewissen Fällen einen sehr zweckmäßigen Zusatz zur Papierpräparation. - Man löst zu
diesem Zweck als Vorratslösung einen Teil des wasserfreien Salzes in 10 Teilen Wasser
auf. Erhitzt man das Platinchlorid auf 300 oC, so entsteht Platinchlorür, das
sich in analoger Weise mit Salzsäure und den Chlormetallen zu Doppelverbindungen
vereinigt.
Die Platinochlorwasserstoffsäure,
H4PtCl4, erhält man auch bei der Reduktion einer Platinchloridlösung mit
schwefliger Säure.
Das Kaliumdoppelsalz des Chlorürs- Kaliumtetrachloroplatinat,
K2PtCl4 - bildet eine gut kristallisierbare, rot
gefärbte, in Wasser ziemlich leicht lösliche Substanz und ist das bei der Herstellung
von Platinbildern fast ausschließlich angewandte Salz. Die Herstellung desselben ist in
der von G. Pizzighelli und dem Verfasser 1882 veröffentlichten Broschüre ausführlich
beschrieben und da dieses Präparat gegenwärtig käuflich bezogen werden kann, so soll
auf diesen Gegenstand hier nicht weiter eingegangen werden.Das Ammoniumsalz ist dem
Kaliumsalz ganz ähnlich, und für Ausführung des Platinverfahrens gleichfalls brauchbar,
während das Natriumsalz zerfließlich, schwer kristallisierbar und daher nicht leicht in
reinem Zustand herzustellen ist. Die sonstigen Doppelsalze mit Metallchloriden eignen sich
nicht für die Zweck des Platindruckes, da sie bei der Mischung mit Oxalaten unlösliche
Niederschläge bilden.
Die beiden Bromide des Platins verhalten sich den Chloriden ganz ähnlich, ihre
Doppelsalze sind dunkler, meist rotbraun gefärbt.
Alle Chlor entwickelnden Flüssigkeiten, wie z.B. Königswasser, führen die
Platinchlorür- und Bromürdoppelsalze in die Chloride resp. Bromide über.
Erwärmt man daher eine Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat mit Königswasser, so
scheidet sich das Chlorid in Form eines gelben, kristallinen Niederschlages aus der
Lösungen ab. Auch Eisenchlorid setzt sich mit Kaliumtetrachloroplatinat - konzentrierte
Lösungen vorausgesetzt - in Eisenchlorür und Kaliumplatinchlorid um. In ähnlicher
Weise, aber viel träger, wirkt Eisen-III-oxalat, besonders bei Gegenwart von viel
Chlorkalium.
Von größter Wichtigkeit für den Platinprozeß ist das Verhalten der erwähnten
Platinsalze gegen Reduktionsmittel und insbesondere gegen die Verbindungen des
Eisen-II-oxalates. Aus Platinchlorid und seinen Doppelsalzen wird durch Eisenvitriol nur
sehr langsam und bei anhaltendem Erhitzen metallisches Platin abgeschieden, etwas leichter
reduzierbar ist das Bromid, während die Chlorür- und Bromürdoppelsalze beim Erwärmen
leicht zersetzt werden. Der Lösung des Kaliumeisen-II-oxalats kommt eine bedeutend
energischere Reduktionskraft zu, sie zerlegt Platinchlorid schon in der Kälte, obwohl
eine vollständige Reduktion nur unter günstigen Umständen, d. i. bei genügendem
Überschuß des Reduktionsmittels, bei genügender Konzentration der Lösung und bei
Abwesenheit störender Substanzen stattfindet. Die Doppelsalze des Chlorürs werden
dagegen leicht, jene des Bromürs äußerst rasch reduziert.
Ein noch besseres Reduktionsmittel für Platinsalze ist die Ameisensäure, welche, nicht
zu verdünnte Lösungen vorausgesetzt, eine augenblickliche Ausscheidung des Metalls
bewirkt.
Viele scheinbar indifferente Körper verzögern die Reduktion der Platinsalze oder
verhindern sie auch gänzlich. Überzieht man ein Blatt Papier mit den verschiedenen
Salzen des Platins und bringt mittels eines Glasstabes einen Tropfen
Kaliumeisen-II-oxalatlösung (Eisenentwickler) darauf, so wird das Platinchloridpapier nur
langsam grau, das Kaliumtetrachloroplatinat-Papier schwärzt sich langsam, rascher als ein
mit dem Ammonsalz überzogenes Papier, während das mit Kaliumplatinbromür präparierte
Papier momentan intensiv schwarz gefärbt wird.
Setzt man der Eisenoxalatlösung ein Chlorid, z. B. Natriumchlorid, zu, so verhindert
schon ein geringer Zusatz die Reduktion des Platinchlorids, eine größere Menge aber auch
jene des Chlorürs und Bromürs.Auch die reduzierende Wirkung der Ameisensäure wird bei
Gegenwart einer genügenden Chloridmenge gänzlich aufgehoben.
Ähnlich, aber viel schwächer, wirken
lösliche Bromide, z. B. Kaliumbromid.Schwefligsaure oder salpetrigsaure Salze im
Eisenentwickler verhindern die Reduktion der Platinsalze, weil diese in eine nicht
reduzierbare Form überführt werden. Ein mäßiger Zusatz von Oxalsäure oder
Schwefelsäure zum Eisenentwickler stört die Reduktion nicht, sondern befördert sie,
Salzsäure dagegen verzögert sie viel energischer als die Chloride. Ein großer
Überschuß von Kaliumoxalat oder ein Zusatz von Eisen-III-oxalat verringert gleichfalls
die Reduktionsfähigkeit des Eisenentwicklers. Quecksilberchlorid, dann Kupfer-, Wismuth,
Blei- und Palladiumsalze beschleunigen dagegen die Reduktion, was besonders deutlich bei
den Platinchloridverbindungen zu beobachten ist.
Aus diesen Versuchsresultaten lassen sich
folgende, für die Ausführung des Platindruckes bemerkenswerte Schlüsse ziehen:
ist für Herstellung von Platinkopien völlig
unbrauchbar, etwas besser ist hierfür das Natriumplatinchlorid geeignet, wird jedoch vom
Kaliumtetrachloroplatinat, und dem Bromür weit Übertroffen. Letzteres gehört zu den am
leichtesten zersetzlichen Platinverbindungen; selbst Lösungen desselben sind nicht
vollkommen haltbar und setzen langsam metallisches Platin ab.
Der technischen Verwendung des
Kaliumplatinbromürs steht dessen kostspielige Darstellung; dann die voraussichtlich
geringe Haltbarkeit der mit diesem Salz präparierten Papiere entgegen. Von den Chlorüren
ist das Kaliumsalz, weil leichter reduzierbar, dem Ammoniumsalz vorzuziehen.
Ein mäßiger Zusatz von Oxalsäure
erscheint zweckmäßig, denn er unterstützt die Reduktion.
Das in den kopierten Bildern unzersetzt
bleibende Eisen-III-oxalat, besonders aber dessen Doppellsalze, wirken verzögernd, daher
ein großer Überschuß derselben in der Papierpräparation zu vermeiden ist.
Die Gegenwart von Chloriden, besonders aber
von Salzsäure stört den Reduktionsprozeß, salpetrigsaure, schwefligsaure Salz etc.
können die Abscheidung des metallischen Platins gänzlich verhindern.
Zusätze von Quecksilber-, Wismuth-, Kupfer-
oder Bleisalze zur Papierpräparation erscheinen zweckmäßig, denn sie beschleunigen die
Bildentwicklung.
ein häufiger Begleiter des Platins, ist ein,
zwar diesem ähnliches, aber viel weniger beständiges Metall. Es läuft schon beim
Erhitzen an der Luft bläulich an, verbrennt im Knallgasgebläse, löst sich in
Salpetersäure und in feinverteiltem Zustand auch in Salzsäure und Schwefelsäure.
Ähnlich dem Platin bildet auch das Palladium zwei Reihen von Salzen und zusammengesetzte,
höhere Verbindungen mit Cyan, Ammoniak etc., doch ist die Neigung zur Bildung der
letzteren weniger ausgesprochen. Die Palladiumsalze sind viel leichter reduzierbar als
jene des Platins und erinnern in dieser Beziehung an die Silbersalze.
Eisenvitriol oder Eisen-II-oxalat, wirken kräftig reduzierend und Chloride sowie Säuren
sind fast ohne Einfluß auf den Verlauf dieses Prozesses.
Für photographische Zweck ist das Kaliumpalladiumchlorür, K2PdCl4,
ein bräunliches, bei durchfallendem Licht grünes, mit dem Platinsalze isomorphes Salz am
besten geeignet. Es lassen sich zwar auch die Palladiumsalze der Sauerstoffsäuren leicht
herstellen, doch ist gar nicht das Bedürfnis nach einer leichter reduzierbaren Verbindung
vorhanden. Eigentümlicher Weise ist das oxalsaure Palladium schwerer reduzierbar als das
Chlorür.
Die sonstigen Platinmetalle, das Iridium,
Osmium, Rhodium und Ruthenium sind schwerer reduzierbar als
Platin, stehen enorm hoch im Preise und dürften daher für den Platindruck keine
Bedeutung haben.
Wie schon oben erörtert, spielen sich bei der
Herstellung von Platinbildern zwei Prozesse ab:
Entsteht bei der Belichtung des Papiers ein
provisorisches Eisenbild, indem das vorhandene Eisen-III-oxalat zum Oxidulsalz reduziert
wird und
reagiert bei der Entwicklung das gebildete
Eisen-II-oxalat unter Vermittlung eines Alkalioxalates auf das vorhandene Platinsalz,
wobei an Stelle des am Papier befindlichen Eisensalzes metallisches Platin tritt.
Die beiden Prozesse können nach Berkeley 3 durch nachstehende Formeln dargestellt werden:
Fe2(C204)3
= 2 FeC2O4 + 2 CO2
Eisen-III-oxalat Eisen-II-oxalat Kohlensäure.
6 FeC2O4
+ 3 K2PtCl4 = 2Fe2(C204)3
+ Fe2CI6 + 6KCI + 3 Pt.
Eisen-II-oxalat
Kaliumtetrachloroplatinat Eisen-III-oxalat Eisenchlorid Chlorkalium Platin.
Diese Zersetzungsschemas sind im Allgemeinen
gewiß richtig, denn sie stehen mit allen Erfahrungen, welche uns über die chemischen
Eigenschaften der Eisen und Platinsalze bekannt sind, in voller Übereinstimmung. Aus
einer Reihe von eigentümlichen Beobachtungen müssen wir jedoch schließen, daß sich
nebenbei noch andere Prozeß abspielen, welchen vielleicht eine hervorragende Bedeutung
zuerkannt werden muß.
Den oben aufgestellten Gleichungen liegt die Annahme zu Grunde, daß das Eisen-III-oxalat
bei der Belichtung in Eisen-II-oxalat und Kohlensäure gespalten wird, daß hierbei
keinerlei weitere Zersetzungsprodukte entstehen und daß das gleichzeitig vorhandene
Platinsalz dabei keine Rolle spielt. Die Annahme einer glatten Spaltung des Eisensalzes
dürfte nur bei Zersetzung wässeriger Lösungen vollkommen zutreffen, bei der Belichtung
trockener Schichten, namentlich aber bei Gegenwart eines Platinsalzes, dürften sich bei
dem Zerfall des Eisen-III-oxalates höchstwahrscheinlich auch noch andere
Zersetzungsprodukte bilden.
Wird ein mit Eisen-III-oxalatlösung
überzogenes Papier unter einem Negativ belichtet und dann mit einer Lösung von
Kaliumtetrachloroplatinat und Kaliumoxalat behandelt, so wird es nur an jenen Stellen
geschwärzt, welche eine sehr ausgiebige Belichtung erfahren haben. Aber auch hier geht
die Reduktion so langsam vor sich, daß nur wenig metallisches Platin auf der Papierfaser,
sondern erst nach Lösung des Eisen-II-oxalates in der Flüssigkeit abgeschieden wird.
Setzt man jedoch der Eisen-III-oxalatlösung
etwas Platinsalz zu, so entwickelt die angegebene Flüssigkeit augenblicklich ein
vollkommenes Bild mit tiefen Schwärzen. - Ähnlich dem Platinsalz wirkt auch ein
Zusatz von Quecksilberchlorid, und von geringerer aber immerhin sehr deutlicher Wirkung
sind Blei -, Uran-, Kupfer- und Wismuthsalz.
Wird anderseits reines Eisen-II-oxalat (aus
Eisenvitriol und Kaliumoxalat hergestellt) mit einer Lösung von Kaliumtetrachloroplatinat
gemischt und auf Papier aufgetragen, so tritt auch nach langer Zeit keine Veränderung
auf; wird aber das Papier mit reinem (alkalifreiem) Eisen-III-oxalat und Platinsalz
überzogen und belichtet, so schwärzt es sich nach dem Befeuchten. Hält man diese
Tatsachen einander entgegen, so erscheint es wahrscheinlich, daß bei der Belichtung den
Eisen-III-oxalates - besonders bei Gegenwart von Platin oder Quecksilbersalzen nebst dem
Oxidulsalz noch eine andere Substanz gebildet wird, welcher äußerst kräftig
reduzierende Wirkungen zukommen.
Es ist dabei naheliegend, an die Bildung von
Ameisensäure zu denken; sie zersetzt Platinsalze sehr energisch und es wird ihr Auftreten
bei vielen Zersetzungsvorgängen der Oxalsäure beobachtet. So entsteht Ameisensäure bei
dem Erhitzen der Oxalsäure und die Bildung von Ameisensäure wurde bei der Belichtung
einer wässerigen Lösung von Uranoxalat nachgewiesen. Die Bildung von Ameisensäure bei
der Belichtung von Eisen-III-oxalat-Platinpapier ist daher keineswegs ausgeschlossen und
es scheint ihr eine hervorragende Rolle bei der Entwicklung zuzukommen; ihr wäre
mindestens die energische Einleitung des Reduktionsprozesses zuzuschreiben und nur ihrer
Gegenwart im belichteten Papier wäre die Ausführbarkeit der Platinprozesse mit
Entwicklung zu danken.
Das Kaliumtetrachloroplatinat erleidet aber bei Gegenwart organischer Substanzen auch an
und für sich eine Veränderung im Licht, wie nachstehender Versuch zeigt:
Überzieht man Papier mit einer Lösung dieses
Salzes der etwas Oxalsäure zugesetzt wurde, und belichtet dann unter einem Negativ, so
kann mit verdünntem Eisenentwickler ein wenn auch schwaches, so doch deutliches Bild
hervorgerufen werden. Es hat also auch das Platinsalz bei der Belichtung eine Veränderung
erlitten, es ist leichter reduzierbar geworden.
Auch der zweite Teil des Prozesses dürfte
nicht so glatt verlaufen, wie es die Formel annimmt. So beobachtet man bei sehr heißen
Entwicklungslösungen stets das Auftreten von Gasblasen. Sie rühren offenbar von einer
Kohlensäureentwicklung bei der Platinreduktion her und konnten einer vollkommenen
Zersetzung des Eisen-II-oxalates zugeschrieben werden. Letzteres müßte sich in diesem
Fall zu Eisenchlorür und Kohlensäure umsetzen.Diese Annahme scheint jedoch nicht
gerechtfertigt zu sein, weil eine heiße Lösung von Eisen-II-oxalat auf
Kaliumtetrachloroplatinat nicht unter Gasentwicklung einwirkt. Zwanglos läßt sich aber
die Erscheinung erklären, wenn man die Entstehung von Ameisensäure bei der Belichtung
annimmt. Ameisensäure spaltet bei jedem Reduktionsprozeß Kohlensäure ab:
CO2H2
+ K2PtCl4 = CO2 + 2HCI + 2KCI.
Ameisensäure Platinsalz Kohlensäure Salzsäure
Chlorkalium.
Gelangt an Stelle des Kaliumplatinchlorürs
ein Chloridsalz des Platins, z. B. Natriumplatinchlorid zur Anwendung, so ist zur
Reduktion des Platins die doppelte Menge Eisen-II-oxalat nötig:
12 Fe(C2 04)
+ 3 Na2PtCl6 = 4 Fe2(C204)3
+ 2 Fe2Cl6 + 6 NaCI + 3 Pt.
Man wird also die Belichtung viel längere
Zeit fortsetzen müssen, das Papier wird unempfindlich sein und es werden harte Kopien mit
fehlenden Halbschatten und breiten, kreidigen Lichtern resultieren.
Setzt man der Mischung von Eisen-III-oxalat und Kaliumtetrachloroplatinat etwas
Natriumplatinchlorid zu, was mit Rücksicht auf die Löslichkeit des sich bildenden
Kaliumplatinchlorids in der Eisenlösung möglich ist, so machen sich die oben angegebenen
Eigentümlichkeiten nur teilweise geltend, es entstehen brillante Bilder mit reinen
Weißen.Aus diesem Grunde ist der Zusatz von Natriumplatinchlorid zur Sensibilisierung des
Papiers in gewissen Fällen, d. h. wenn wenig gedeckte Negative kopiert werden sollen,
vorteilhaft.
Wird ein mit Platineisenlösung überzogenes Papier dem Licht ausgesetzt, so wird die bei
der Entwicklung auftretende Schwärze um so intensiver sein, je länger die Belichtung
gedauert hat. Sobald aber das gesamte auf der belichteten Stelle vorhandene
Eisen-III-oxalat reduziert ist, wird durch weitere Belichtung die Reduktionsfähigkeit des
Eisen-II-oxalates geschädigt, daher sich eine übermäßig lang belichtete Stelle im
Entwickler nicht mehr schwarz, sondern nur gelblich oder rötlichbraun färbt. Man nennt
diese Erscheinung Solarisation und beobachtet sie bei
alten photochemischen Entwicklungsprozessen; so z. B. bei den Halogenverbindungen des
Silbers, welche nach übermäßig langer Belichtung gleichfalls die Eigenschaft verlieren,
sich im Entwickler zu schwärzen.
Die Solarisation wird sich um so früher bemerkbar machen, je dünner die auf dem
Papier befindliche Eisensalz Schicht ist, je sparsamer also die Lösung aufgetragen wird
und je weniger Eisen sie enthält.
Bei keinem Kopierverfahren spielt die
Beschaffenheit des Rohpapiers eine so hervorragende Rolle wie im Platindruck. Es ist dies
auch erklärlich, wenn man berücksichtigt, daß bei diesen Verfahren das Bild auf der
Papieroberfläche selbst und nicht in einer aus colloidalen Substanzen (Albumin, Gelatine)
gebildeten Schicht liegt, daß daher die Beschaffenheit der Papieroberfläche das Aussehen
des Bildes wesentlich beeinflusse, und daß auch die stoffliche Zusammensetzung der
Papiermasse auf den Verlauf des Entwicklungsprozesses einen Einfluß auszuüben vermag.
Die Farbe des Papiers ist selten rein weiß,
es ist meist von bläulicher oder gelblicher Nuance. - Bläuliche Papiere geben Kopien mit
reinen, grellen Lichtern, gelbliche erteilen dem Bild ein weiches Aussehen. Für kleine
Bilder auf glattem Papier wird man, um die Brillanz zu fordern; solches mit bläulichem
Stich wählen, für große Bilder empfiehlt sich meist ein gelbstichiges Papier.
Sehr vorteilhaft wirken in manchen Fällen hell chamoisgefärbte Papiersorten, ihre Farbe
verbindet die photographischen Töne und erteilt dem Bilde ein geschlossenes Aussehen. Aus
diesem Grunde unterlegt man auch lithographischen Kreidezeichnungen einen gelblichen Ton
und druckt Radierungen und Photogravuren auf gelblichem Chinapapier.
Papiere mit rauher Oberfläche geben leichter
Bilder mit gesättigten Tiefen als glatte, satinierte Sorten. In den Vertiefungen
reflektiert die farbige Fläche gegen sich selbst und macht dadurch ihre eigene Farbe noch
gesättigter.
Betrachtet man ein Bild auf rauhem Papier bei schräg auffallendem Licht, so beschatten
die Unebenheiten die tieferen Stellen, daher der Gesamteindruck der rauhen dunklen Fläche
tiefer als jene einer glatten Fläche von derselben Farbennuance sein wird. Den Kopien auf
rauhem Papier fehlt weiter die für ein photographisches Bild zwar charakteristische, oft
aber unangenehm wirkende präzise Schärfe; die weichen Konturen erhöhen die Plastik und
detaillose eintönige Flächen werden durch das Papierkorn in wohltuender Weise
unterbrochen. Aus diesen Gründen kommt der Kopie auf rauhem Papier ein höherer
künstlerischer Wert zu, sie besitzt ein vornehmeres Aussehen und imitiert In glücklicher
Weise ein Original des Künstlers.
- Ob Papiere mit regelmäßig eingepresstem Pyramidenkorn, oder solche mit mehr oder
weniger derbem Naturkorn zu benutzen sind, hängt von dem Charakter und dem Formate des
Bildes ab, ist aber auch zum großen Teil Geschmacks- und Modesache. Keinesfalls dürfen
aber durch das Korn charakteristische Details verloren gehen, es darf in keiner Weise
stören, daher man auch kleine Bilder, die hauptsächlich durch ihre Einzelheiten wirken
sollen, nur auf ganz glattem Papier kopieren kann. Die Beschaffenheit der Papiermasse ist
sowohl bezüglich der zur Fabrikation verwendeten Faser, als auch in Bezug auf die Leimung
für den Platindruck von großer Bedeutung.Sollen die Platinbilder im Laufe der Zeit keine
Veränderung erleiden, so darf nur ein dem Vergilben nicht unterworfenes Papier, also
reines Hadernpapier, benutzt worden.
Derartige Papiere sind gegenwärtig selten und nur die teuren Sorten entsprechen dieser
Bedingung. Die Verwendung billiger, unbekannter Papiersorten ist entschieden zu vermeiden.
Die Papiere werden bei ihrer Herstellung mit colloidalem Bindemittel behandelt, sie werden
geleimt, da sie sonst für die meisten technischen Verwendungen unbrauchbar wären. Die
Leimung kann in verschiedener Weise erfolgen und bildet stets eine Zwischenmanipulation
bei der Papierfabrikation.
Als Rohmaterial für die Herstellung von
Papier benutzt man bekanntlich Hadern, Spinnereiabfälle, Zellulose, d. i. aus Holz auf
chemischem Wege abgeschiedene Fasern, dann mechanisch zerfaserten Holz, sog. Holzschliff
etc. Diese Materialien werden in eigenen Maschinen, die den Namen Holländer führen,
derart zerrissen und zerfasert, daß eine dünne breiige Masse (Ganzzeug) entsteht, aus
welcher das Papier gebildet wird.
Es erfolgt dies entweder durch Handarbeit (Hand-, Bütten- oder Schöpfpapier),
indem man das Ganzzeug in ein rechteckiges, von einem Rahmen umgebenes Sieb schöpft, nach
dem Abtropfen des Wassers die noch ganz lose zusammenhängenden Bogen auf eine Filzplatte
bringt und durch Pressen entwässert und trocknet, oder es werden diese Manipulationen von
einer Maschine besorgt.
Das Ganzzeug fließt kontinuierlich auf ein endloses über Rollen laufendes Drahtsieb, das
Wasser wird durch Luftdruck angesaugt, das gebildete Papier zwischen heißen Walzen
getrocknet und eventuell satiniert.
Die Handarbeit liefert daher nur einzelne Bogen, die Maschine aber ein beliebig langes
Papierband, das in Form einer Rolle - Rollenpapier -, häufig aber auch in Bögen
zerschnitten in den Handel kommt.Die Leimung des Papiers erfolgt nach zwei verschiedenen
Methoden: Entweder wird das Ganzzeug im Holländer mit einem an die Fasern sich hängenden
und später die Poren des Papiers verklebenden Stoff versetzt - Leimen im Stoff - oder aus
dem Ganzzeug werden zuerst die Papierbogen gebildet, und diese dann mit Leim getränkt - Bogenleimung.
Das Leimen im Stoff geschieht ausschließlich
mit harzsaurer Tonerde. Man versetzt das Ganzzeug mit Harzseife (aus Harz und Natronlauge
hergestellt) und Alaun, wodurch unlösliche Tonerdeseife an die Fasern anfällt.
Maschinenpapiere - daher alle Rollenpapiere - sind stets mit Harz geleimt und
werden nur in seltenen Fällen überdies mit tierischem Leim oberflächlich überzogen
(animalisch geleimtes Rollenpapier); Handpapiere enthalten gewöhnlich, die für
Aquarellmalerei bestimmten Kornpapiere aber immer tierischen Leim als Bindemittel.
Im Stoff geleimte Papiere setzen dem Einsinken von Flüssigkeiten ungleich mehr Widerstand
entgegen, als solche, die im Bogen geleimt wurden - und die besonders gegen saure
Lösungen ein bedeutendes Saugvermögen zeigen. Bei diesen Papieren ist eben nur die obere
Schicht reichlich mit Leim imprägniert, daher sie auch nach dem Radieren »fließen«,
was bei im Stoff geleimten Sorten nicht der Fall ist.
Die Fähigkeit wässerige Lösungen
aufzusaugen hängt aber nicht nur von der Leimung ab, sondern es wird auch durch das
Satinieren und Pressen diese Eigenschaft wesentlich verringert. Aus diesem Grunde saugen
glattsatinierte, sowie gepreßte Kornpapiere, z. B. Pyramidenkornpapier, bei derselben
Leimung viel weniger als unsatinierte oder Naturkornpapiere.
Die Leimung das Papiers macht sich im
Platindruck nach drei Richtungen fühlbar:
beeinflußt sie das Saugvermögen, und damit auch das
Überziehen mit der Sensibilisierung,
wirkt sie auf die Farbe des Bildes mehr oder weniger
bestimmend und
verringert sie häufig in hohem Grade die
Lichtempfindlichkeit des präparierten Papiers.
ad 1. Bei der Präparation
des Platinpapiers muß das zu tiefe Einsaugen der Sensibilisierungslösung verhindert
werden, weil sonst das Bild statt auf der Oberfläche des Papiers im Innern desselben
entsteht. Man würde dann große Mengen der Lösung verbrauchen doch nur graue, flaue
Kopien erhalten. Stark saugende Papiere müssen daher vor dem Auftragen der
Sensibilisierung mit Lösungen colloidaler Substanzen nachgeleimt werden.
Im Stoff gut geleimte Papiere erfordern zwar eine solche Nachleimung nicht, doch ist eine
Vorpräparation mit einer dünnen Lösung zweckmäßig, weil die colloidale Substanz ein
Bindemittel zwischen Papierfaser und Sensibilisierungsschicht bildet. Man kann in solchen
Fällen von einer Vorpräparation des Papiers auch ganz absehen und das Bindemittel
(Gelatine, Stärke u.s.w.) zur Sensibilisierungslösung setzen - doch ist dies aus anderen
Gründen weniger zweckmäßig. Ein mit einer Bindemittellösung vorpräpariertes Papier
nimmt nämlich die Sensibilisierungsflüssigkeit sehr gut an, es ist leicht möglich,
diese in vollkommen egaler Schicht aufzutragen, während die rohe Papieroberfläche oft
abstoßend wirkt, häufig auch fettige Stellen, Fingergriffe etc. zeigt.
Eine zu große Menge des Bindemittels kann
schädlich wirken; es bildet dann im Verein mit der Sensibilisierung eine auf der
Papieroberfläche liegende Schicht, die bei dem Entwickeln des Bildes aufgeweicht und
abgeschwemmt werden kann.Das Nachleimen oder Vorpräparieren des Papiers hängt wesentlich
von den Eigenschaften der gewählten Sorte ab, und darf keinesfalls immer in gleicher
Weise durchgeführt werden.
Für die Vorpräparation resp. Nachleimung geeignete Substanzen sind:
Gelatine, Arrowroot, Carragheen, Tragant, Agar-Agar u.a.m.
Das im kalten Wasser leicht lösliche Gummi arabicum ist ebenso wie Dextrin
für den gedachten Zweck nicht geeignet.
Diese Substanzen lösen sich beim Auftragen der Sensibilisierung, verhindern dann das
Eindringen derselben in das Papier und verursachen meist das Abschwimmen des Bildes.
Gelatine ist ein sehr gutes
Bindemittel; die Sensibilisierung von gelatinierten Papieren erfordert jedoch wegen der
zahlreich auftretenden Luftblasen - infolge Schäumens der Flüssigkeit - etwas
Sorgfalt. Die Gelatine hält überdies sehr hartnäckig Platinsalze zurück, daher die
Bilder auf gelatiniertem Papier zur Vergilbung neigen. Etwas stärkere Gelatineschichten
besitzen auch einen schwachen Glanz, der bei Platinbildern störend wirkt.
Arrowroot, Carragheen und Tragant sind vorzügliche Substanzen
für die Nachleimung und bilden eine in jeder Beziehung entsprechende Vorpräparation. Sie
liefern stets matte Schichten.
Agar-Agar ist ein der Gelatine ähnlicher, jedoch aus dem Pflanzenreiche (einer
Alge) stammender Körper. Es ist für die Nachleimung sehr gut verwendbar und besitzt
dabei nicht die unangenehmen Eigenschaften der Gelatine.
Zur Bereitung der Vorpräparationslösungen
benutzt man 10 g Gelatine, Carragheen, Tragant oder Agar-Agar in 5001000 ml Wasser
gelöst. Man läßt ca. 1 Stunde aufquellen und erwärmt dann, bis die Lösung eingetreten
ist. Gelatine löst sich bekanntlich leicht und gibt eine klare Flüssigkeit, der man, um
die Unlöslichkeit der Schicht zu vermehren, 5 g Alaun zusetzt. - Bei Verwendung der
andern Substanzen, die im Wasser nicht vollkommen löslich sind, muß bis zum Kochen
erhitzt werden, worauf man die Flüssigkeit durch ein Sieb seiht.
Gelatine und Agar-Agarlösung müssen in
warmem Zustand benutzt werden.
Arrowroot wird mit etwas kaltem Wasser angerührt und langsam unter fortwährendem Rühren
in soviel siedendes Wasser gegossene daß eine 1-2 %ige Lösung resultiert.
Gut geleimte Maschinenpapiere, wie Rives- und Steinbach-Papier, dann
fast alle Rollen - Zeichenpapiere erfordern keine Nachleimung und werden zum Zweck der
Vorpräparation mit einer 1 %igen Lsg. der erwähnten Substanzen überzogen.
Man befestigt den zu präparierenden Bogen durch Heftnägel auf einen, mit reinem Papier
belegten Tisch, trägt die Lösung mit einem weichen Schwamm so reichlich auf, daß der
ganze Bogen gleichmäßig feucht erscheint und läßt ihn freihängend trocknen. Bei
Papieren mit scharfem Korn, z. B. Pyramidenkorn, würde sich bei dieser Behandlung die
leimende Substanz in den Vertiefungen sammeln und dort verdicken, was Ursache eines
grieslichen Aussehens der Bilder sein konnte.
Solche Papiere werden in noch feuchtem Zustand mit einem Vertreibpinsel so lange
behandelt, bis sie keinen von Feuchtigkeit herrührenden Glanz mehr zeigen.
Man führt zu diesem Zweck den Vertreibpinsel (ein langhaariger, breiter, weicher Pinsel)
in raschen kreisförmigen Bewegungen und mit leichtem Drucke über die Oberfläche des
Papiers, bis diese das gewünschte matte Aussehen zeigt.Bei saugenden Papieren - schlecht
geleimten Maschinen-, den meisten Schöpf- und allen Aquarellpapieren - muß an Stelle der
Vorpräparation eine ausgiebige Nachleimung treten.
Man bringt die angegebenen warmen 1-2 %igen Lösungen in eine Tasse, taucht die zu
präparierenden Bogen ganz in die Flüssigkeit und läßt sie vollkommen durchweichen,
wozu 5-30 Minuten erforderlich sind. Dann werden die Papiere einzeln langsam aus der
Flüssigkeit gehoben und zum Trocknen aufgehängt. Damit sich die Lösung möglichst
gleichmäßig verteilt, hängt man den Bogen nach dem Abtropfen mit jener Seite nach oben
auf, die beim Herausziehen nach unten zu stehen kam.Benutzt man jedoch in der
Sensibilisierung ein Verdickungsmittel, so brauchen auch diese Papiere nicht so reichlich
nachgeleimt zu werden. Es genügt dann das ein- bis zweimalige Auftragen einer 2 %igen
Arrowrootlösung vollkommen.
Aus den früher angeführten Gründen erscheint es geboten, die Gelatine-Präparation
tunlichst zu vermeiden. Sowohl für die Vorpräparation als auch für die Nachleimung
findet man mit Arrowroot oder Carragheen die bessere Substanz und nur wenn es sich um das
Zustandekommen blauschwarzer Töne handelt, und die sonstigen Verhältnisse für
Erreichung dieser Nuancen ungünstig sind, ist man zur Vorpräparation mit Gelatine
gezwungen.
ad 2. Das Vorhandensein von
tierischem Leim (Gelatine, Fischleim, Tischlerleim) in einem Papier ruft stets die Tendenz
für blauschwarze Bilder hervor und setzt dem Entstehen brauner Töne einen nur schwer zu
bewältigenden Widerstand entgegen.
Die aus dem Pflanzenreiche stammenden
Bindemittel, besonders die Stärke, vermitteln zwar das Zustandekommen brauner Nuancen,
ihre Gegenwart allein ist aber für das Entstehen derselben nicht ausreichend. Auf
animalisch geleimten Papieren wird daher ein Überzug von Arrowroot keine braun
nuancierten Bilder zur Folge haben, auch Quecksilbersalze oder die heiße Entwicklung
genügen allein nicht, um dieses Ziel zu erreichen, erst durch gleichzeitige Anwendung
dieser Mittel gelingt es, die erwähnte Eigentümlichkeit der Gelatine zu besiegen.Im
Stoff geleimte Papiere verhalten sich dagegen neutral, mit Arrowroot vorpräpariert geben
sie leicht braune Töne, sind aber auch für die Herstellung blauschwarzer Bilder
vollkommen brauchbar.
Wird der Platinprozeß derart ausgeführt, daß die Tendenz für bräunliche Töne
vorherrscht, wie dies z. B. bei dem Heißentwicklungsverfahren der Fall ist, so genügt
die Gegenwart von Gelatine, um diese Neigung zu bekämpfen.
ad 3. Eigentümlicher Weise
zeigen fast alle animalisch geleimten, mit Eisen-Platinsalzlösungen präparierten Papiere
eine geringere Lichtempfindlichkeit als im Stoff geleimte Sorten.
Diese Schädigung der Empfindlichkeit ist der Verwendung eines weithin durch
Zersetzungsprodukte verunreinigten Leimes zuzuschreiben und bereitet der Ausführung des
Platindruckes große Schwierigkeiten.
Die nachstehenden Papiersorten sind für den
Platindruck uneingeschränkt zu empfehlen:
Das glatte sowie das nicht satinierte Rives- und Steinbach-Papier; es
sind dies sehr reine surrogatfreie Papiersorten für photographische Zweck. - Sie sind im
Stoff geleimt und für alle Methoden des Platindruckes vorzüglich verwendbar.
Das Schöpfpapier Nr. 27 der Neusiedler Aktiengesellschaft für Papierfabrikation in Wien
ist gleichfalls ein sehr reines, lediglich mit Harzseife geleimtes Handpapier mit flachem
Korn und für größere Bilder sehr gut brauchbar.
Die Rollen-Zeichenpapiere von Schleicher
& Schüll in Düren sind verhältnismäßig billige, schöne Kornpapiere, im
Stoff geleimt und für große Formate sehr zu empfehlen.
Die englischen Aquarellpapiere von Whatman
und von Zander, dann das Harding-Papier zeichnen sich durch ein
besonders schönes Korn aus, und sind aus diesem Grunde für Platinbilder sehr beliebt.
Leider sind diese Papiersorten, wie schon
bemerkt, animalisch geleimt, eignen sich daher nur schlecht für den Platindruck in
gewissen Fällen ist man gezwungen, sie zu entleimen und dann neuerdings mit einem
geeigneten Bindemittel zu versehen.
Zum Zweck des Entleimens bringt man das Papier in eine Tasse mit heißem Wasser, dem
Schwefelsäure zugesetzt wurde.
Nach ca. einstündigem Weichen gießt man ab und wäscht mehrmals mit warmem Wasser, dem
man zum Schluß etwas Ammoniak zufügt. Das derart vom Leim vollständig befreite Papier
wird zwischen Saugpapier abgepreßt und getrocknet. Zum Nachleimen benutzt man eine heiße
1 %ige Agar-Agarlösung, da es durch Behandeln mit Arrowroot nicht gelingt, die
Saugfähigkeit des Papiers zu beseitigen. Man überstreicht das Papier mit einem weichen
breiten Pinsel reichlich mit der heißen Lösung, läßt trocknen, überzieht nochmals mit
Agar-Agar und dann mit 2 %iger Arrowrootlösung.
Das in entsprechender Weise vorbereitete
Papier wird mit einer wässerigen, der gewählten Methode entsprechend zusammengesetzten,
lichtempfindlichen Sensibilisierungslösung überzogen.
Der wesentlichste Bestandteil derselben ist Eisen-III-oxalat oder ein Doppelsalz
desselben, überdies kann sie einen Teil oder das gesamte, für die Bilderzeugung
notwendige Platinsalz enthalten und wird häufig mit Substanzen versetzt, die als
Bindemittel dienen oder die Reduktion erleichtern sollen, oder den Zweck haben, die Farbe
und den Charakter des Bildes zu modifizieren. Enthält die Sensibilisierung das gesamte
Kaliumtetrachloroplatinat, so muß ihr Volumen derart bemessen worden, daß die
Papieroberfläche einerseits eine genügende, für die intensive Schwarzfärbung
ausreichende Menge dieses Salzes enthält, während man andererseits wegen der hohen
Preise der Platinsalze einen zwecklosen Überschuß vermeiden muß.
Die Erfahrung lehrt, daß je nach der
eingeschlagenen Methode des Platindruckes pro Quadratdezimeter Papierfläche 0,015 - 0,025
g Kaliumtetrachloroplatinat notwendig sind. Auf einen Bogen 50x65 cm
sind somit 0,5 - 0,8 g Kaliumtetrachloroplatinat, d. i. 3-5 ml
der Lösung 1 : 6 aufzutragen. Dieses Quantum Platinlösung wird mit der entsprechenden
Menge Eisenlösung gemischt und dann mit soviel Wasser verdünnt, daß das Überziehen des
Bogens bequem ausführbar ist. Das Überziehen des Papiers mit der Lösung erfolgt stets
durch Aufstreichen, weil das Sensibilisieren durch Schwimmenlassen mit Rücksicht auf den
hohen Preis der platinreichen Flüssigkeit nicht günstig ist. Die Praxis lehrt, daß das
zum Überstreichen eines Papierbogens notwendige Flüssigkeitsvolumen hauptsächlich von
der Beschaffenheit des Papiers, dann aber auch von der Temperatur im Raum und von der
Geschicklichkeit des Operateure abhängt.
Glatte, gut satinierte und geleimte Papiere im Formate 50x65 cm erfordern 10-12ml, rauhe
Sorten (nicht satiniertes Rives-, Pyramidenkorn- und Rollenzeichenpapier) 12-15ml und
stärker saugende, grobe Kornpapiere (engl. Aquarellpapiere) brauchen selbst bis 20 ml
Flüssigkeit.
Bei hoher Temperatur des Arbeitsraumes
trocknet jeder Pinselstrich rasch ein, man wird daher, um den ganzen Bogen gleichmäßig
zu überziehen, mehr Flüssigkeit verbrauchen als in einem Raum mit niederer Temperatur.
Bei der Präparation des ersten Bogens geht überdies für die Sättigung das Pinsels ein
gewisses Quantum Lösung verloren, was bei den folgenden Bogen nicht mehr der Fall ist.
Bestimmte Regeln für das Flüssigkeitsvolumen, welches zum Präparieren eines Bogens
erforderlich ist, lassen sich daher nicht aufstellen, man muß die Eigentümlichkeiten das
Papiers durch Versuche kennen lernen und die Sensibilisierung, entsprechend den gegebenen
Grundsätzen, zusammenstellen.
Bei der Belichtung eines mit
Eisen-Platinlösung sensibilisierten Papiers wird Eisen-II-oxalat gebildet, welches bei
der Entwicklung, gleichgültig ob diese schon während der Exposition im Kopierrahmen oder
nachträglich erfolgt, das vorhandene Platinsalz unter Abscheidung des Metalle zerlegt.
Damit tatsächlich das ganze auf denn Papier vorhandene Platinsalz reduziert, also für
die Bilderzeugung ausgenutzt werden kann, muß bei der Belichtung an jenen Stellen der
Kopie, welche tiefe Schwärze aufweisen sollen, eine genügende Menge Eisen-II-oxalat
gebildet werden.
Die Zusammensetzung der Sensibilisierung muß also derart sein, daß das entstehende
Eisenoxidulsalz mindestens ausreichend ist, um das gesamte Kaliumtetrachloroplatinat zu
reduzieren. Wäre dies nicht der Fall, so würde auch an jenen Stellen das Bildes, welche
gesättigt schwarz werden sollen, ein Teil des Platinsalzes unverändert in Lösung gehen
und wäre für die Bilderzeugung verloren.
Nach dem auf Seite 13
aufgestellten Zersetzungsschema benötigt man für die Reduktion von einem Molekül
Kaliumtetrachloroplatinat zwei Moleküle Eisen-II-oxalat und da diese aus einem Molekül
Eisen-III-oxalat entstehen, so muß die Sensibilisierungslösung auf jedes Molekül
Platinsalz mindestens ein Molekül dieses Eisensalzes enthalten. Mit Berücksichtigung der
Molekulargewichte K2PtCl4
= 415 und Fe2(C2O4)3 = 376 erscheint es also unbedingt nötig, auf je
1 g Kaliumtetrachloroplatinat mindestens 0,906 g Eisen-III-oxalat zu benutzen.
Verwendet man an Stelle dieses Eisensalzes das Natriumdoppelsalz, Fe2Na6(C2O4)6
+ 11 H2O, welchem das
Molekulargewicht 976 zukommt, so entfallen mindestens 2,33 g desselben auf 1 g
Kaliumtetrachloroplatinat.
Diese auf theoretischem Wege ermittelte
Eisensalzmenge wird in der Praxis jedenfalls zu erhöhen sein, da man eine tunlichst
rasche und möglichst vollständige Reduktion des Platinsalzes anstreben muß. Eine
Erhöhung des Eisengehaltes in der Sensibilisierung erscheint aber auch aus anderen
Gründen zweckmäßig. Je geringer die Quantität des Eisen-III-oxalates auf der
Papieroberfläche ist, desto rascher wird es bei der Exposition im Licht zersetzt und
sobald dieser Moment eingetreten ist, machen sich Solarisationserscheinungen
bemerkbar: Die tiefsten Schatten werden bei der Entwicklung heller als die
nächstliegenden dunklen Halbtöne. Bei größerem Eisengehalt sind auch die Kopien vor
der Entwicklung viel kräftiger und besser sichtbar, daher das richtige Kopieren
wesentlich erleichtert wird.
Ein zu bedeutender Überschuß an
Eisensalz würde jedoch schädlich wirken. Bei langer Belichtung wird das ganze
Eisen-III-oxalat in das Oxidulsalz verwandelt, bei der Entwicklung findet dieses dann
nicht die notwendige Menge Platinsalz vor, geht daher in Lösung und reduziert Platinsalz
an den nächstliegenden Stellen, wodurch die reinen Weißen geschädigt und der Entwickler
durch reduziertes Platin geschwärzt wird.
Ein zu großer Eisenüberschuß veranlaßt
auch das Entstehen eines grieslichen Kornes, die Töne sind rauh und schädigen das
Aussehen der Bilder. Wie weit man den Eisengehalt in der Sensibilisierung über das
theoretische Maß steigern soll, kann lediglich das Experiment lehren. Derartige Versuche
sind jedoch vorsichtig durchzuführen, denn man ist dabei leicht groben Täuschungen
ausgesetzt.
Man überzieht beispielsweise Papierstücke
mit Lösungen von verschiedener Zusammensetzung, indem man das Verhältnis beider Salz mit
1:1.....1:1,2.....1:1,5 wählt, wobei man den Platingehalt der Flüssigkeit konstant
hält, belichtet dann gemeinschaftlich unter einer Papierskala und entwickelt. - Jener
Streifen, der das günstigste Aussehen, die intensivste Schwärze zeigt, war, so schließt
man, mit der praktisch besten Sensibilisierung hergestellt. Da aber das Auftragen der
Flüssigkeit bei der Präparation kleiner Papierstücke niemals gleichmäßig ausfällt,
so kann es leicht vorkommen, daß ein minderes Resultat lediglich durch nicht genügend
reichlich aufgetragene Sensibilisierungslösung hervorgerufen wurde.
Einen derartigen Fehler dürften auch J.
Pizzighelli und der Verfasser bei der Bestimmung des günstigsten
Platineisen-Verhältnisses seinerzeit begangen haben. In der 1882 veröffentlichten
Broschüre »Die Platinotypie« wurde auf 1 g Kaliumtetrachloroplatinat 1,1 g
Eisen-III-oxalat als bestes Verhältnis empfohlen.
Die neueren, vom Verfasser in dieser Beziehung durchgeführten Versuche haben jedoch
gezeigt, daß es zweckmäßig ist, den Eisengehalt in der Sensibilisierung weiter zu
erhöhen und das dieser innerhalb ziemlich weiter Grenzen schwanken kann, ohne daß die
Eigenschaften des Papiers sich wesentlich ändern würden.
Es ist für das Resultat fast gleichgültig,
ob man auf 1 g Kaliumtetrachloroplatinat 1,5 oder 2,5 g Eisen-III-oxalat benutzt.
Bei allen Platin-Eisenpapieren mit Entwicklung dürfte daher das Verhältnis 1:1,8
zu empfehlen sein. Bei Verwendung von Natriumeisen-II-oxalat hat sich eine relativ
geringere Eisenmenge als passender herausgestellt und es dürfte das
Verhältnis 1:3,8 bis 1:4,0 am besten entsprechen. Für
die Zusammensetzung der Sensibilisierung benutzt man eine Kaliumtetrachloroplatinatlösung
1:6 und eine Eisen-III-oxalatlösung 1:5 oder eine
Natriumeisen-III-oxalatlösung 1:2.
Man erzielt daher die oben angegebenen Verhältnisse durch Mischen von 6 ml Platinlösung
mit 9 ml Eisen-III-oxalat- oder ebensoviel Natriumeisen-III-oxalatlösung.Man nimmt
gegenwärtig allgemein an, daß die Platin-Eisensalzlösung nur sehr kurze Zeit haltbar
sei, daß daher die Mischung jeweilig frisch hergestellt und sogleich verbraucht werden
muß. Das ist jedoch keineswegs der Fall. Die gemischte Flüssigkeit hält sich lange Zeit
vollkommen unverändert, sie kann daher ohne Anstand in Vorrat gehalten werden.
Der Verfasser hat derartige 3 - 4 Wochen alte Lösungen wiederholt benutzt und tadellos
gefunden. Nur bei Gegenwart organischer Substanzen, z. B bei Zusatz von Gelatine, wird die
Mischung in einigen Stunden unbrauchbar.
Wenn das zur Verwendung gelangende Papier
reichlich im Stoffe geleimt ist, so kann die Vorpräparation durch ein Bindemittel in der
Sensibilisierung ersetzt werden. Da dickliche Flüssigkeiten nur langsam eingesaugt
werden, wird das Eindringen der Sensibilisierung in die Papiermasse verhindert, die
Platin- und Eisensalzteilchen werden an die Faser geleimt und können bei der Entwicklung
nur langsam in Lösung gehen.
J. Pizzighelli 4 benutzt zu diesem Zweck eine 2%ige Arrowroot- oder eine
50 %ige Lösung von Gummi arabicum und mischt 1 Teil der Sensibilisierungslösung mit
2-4 Teilen dieser Flüssigkeiten.
Gelatine wird durch die Eisen-Platinlösung in
unlöslicher Form abgeschieden, daher sich dieses Bindemittel mit der Sensibilisierung
nicht mischen läßt. Wird jedoch Gelatinelösung mit etwas Oxalsäure (auf 1 g Gelatine
0,25 g Säure) erwärmt, so erhält man eine bei gewöhnlicher Temperatur nicht mehr
erstarrende Flüssigkeit, die anstandslos der Sensibilisierungslösung zugesetzt worden
kann.
Allen Eisenoxidsalzen, besonders jenen der organischen Säuren, kommt die Tendenz zu,
braungefärbte, basische Salz zu bilden, die sich selbst in starken Säuren, wie z.B. in
verdünnter Salzsäure, nur schwer lösen. Um im Platindruck reine Weißen zu erhalten,
muß man die Löslichkeit des aufgetragenen Eisen-III-oxalates unter allen Umständen
steigern und der Bildung basischer Salz durch ansäuern der Sensibilisierungslösung
entgegenwirken.
Bei der heißen Entwicklung ist dieser Zusatz
unbedingt geboten, aber auch bei kalt zu entwickelnden Papieren erscheint er zweckmäßig.
Denn die Gegenwart von etwas Säure unterstützt den Reduktionsprozeß bei der
Entwicklung. Eine zu stark saure Sensibilisierung verzögert dagegen die Abscheidung das
Platins und dringt bei dem Aufstreichen in das Innere des Papiers, daher man nur graue,
kraftlose Bilder erhält. Die Sensibilisierungslösung für Entwicklungspapiere ist daher
stets, jedoch nur mäßig, anzusäuern. Man benutzt zu diesem Zweck Oxalsäure und
versetzt - wie schon oben erwähnt - die Eisen-III-oxalatlösung auf jeweils 100 ml
mit 1-2 g derselben.
Alkalisch reagierende Körper veranlassen die
Bildung basischer Salz und da diesen die Lichtempfindlichkeit abgeht, erhält man bei
solchen Zusätzen höchst unempfindliche Papiere, die auch nach der Behandlung mit
Salzsäure oft gelblich gefärbt bleiben.
wirken der Reduktion des Eisensalzes bei der
Belichtung und der Reduktion des Platinsalzes bei der Entwicklung entgegen. Papiere,
welche Oxidationsmittel in der Sensibilisierung enthalten, sind daher unempfindlich und
brauchen eine verhältnismäßig lange Belichtung, damit bei dem Entwickeln die ersten
Bildspuren sichtbar werden.
Oxidierende Substanzen verzögern die
Anfangswirkung, bewirken eine Verkürzung der Tonskala, die sich aber lediglich auf die
lichtesten Töne beschränkt, während die Schwärzen und dunklen Mitteltöne keine
Veränderung erleiden.
Ein relativ großer Zusatz macht die Bilder
hart, es entstehen tiefschwarze Schatten und kreidig weiße Lichter; ein mäßiger Zusatz
vermittelt das Entstehen brillanter Bilder. Papiere mit solchen Zusätzen wird man unter
einem Negativ länger belichten müssen, um Details in den Lichtern zu erhalten, und da
während der ganzen Zeit die Schatten fortkopieren, so entsteht bei der Entwicklung tiefe
Schwärze.
Die Anwendung von Oxidationsmitteln in der
Sensibilisierung erscheint daher bei Negativen mit wenig Deckung vorteilhaft, sie ist aber
nur anzuraten, wenn die Matrize reichlich ausgezeichnete Schattendetails aufweist. Fehlen
diese in Folge kurzer Exposition, so resultieren wegen der breiten, schweren Schatten ganz
unbrauchbare Bilder.Als oxidierende Substanz verwendet man gegenwärtig meist
Kaliumchlorat (chlorsaures Kalium), das bei allen mit Eisen-III-oxalat präparierten
Papieren die gewünschte Wirkung zeigt. Bei Papieren, welche mit den
Eisenoxalatdoppelsalzen sensibilisiert sind, erweist sich jedoch dieser Zusatz vollkommen
wirkungslos, obwohl man denselben in fast allen Rezepten angegeben findet. Versuche haben
gezeigt, daß selbst große Mengen dieses Salzes bei Natriumeisen-Platinpapier ohne jeden
Einfluß sind, und daß es auch nicht zur Wirkung gelangt, wenn man das Papier auf 100 oC.
erhitzt, wenn man der Sensibilisierung Schwefelsäure zufügt etc. Ein in allen Fällen
wirksames Oxidationsmittel bildet dagegen das chromsaures Kalium (Kaliumdichromat).
1 ml der Lösung dieses Salzes 1:100 auf 100 ml
Sensibilisierung zeigt in der Kopie eine sehr wahrnehmbare Wirkung und 10 ml machen das
Papier für Halbtonnegative unbrauchbar.
In ähnlicher Weise wirkt auch
Natriumplatinchlorid.
Das bei der anfänglichen Belichtung gebildete Eisen-II-oxalat wird zur Reduktion des
Chlorids zum Chlorür aufgewendet und nur jene Stellen der Kopie, die mehr als dieses
Quantum Eisenoxidulsalz enthalten, werden sich im Entwickler schwärzen. Man benutzt das
Natriumplatinchlorid als wässerige Lösung 1:10 und fügt auf
100 ml Sensibilisierung 1 bis 10 ml derselben zu.
Alle Chloridverbindungen des Platins geben mit Kaliumtetrachloroplatinat einen gelben,
unlöslichen Niederschlag von Kaliumplatinchlorid. Da jedoch dieses Salz in
Eisen-III-oxalatlösung etwas löslich ist, so unterliegt der Zusatz von
Natriumplatinchlorid zur Sensibilisierung keinem Anstande. Die Anwendung dieses Salzes
erscheint ungleich rationeller als der Gebrauch der leicht zersetzlichen Oxidationsmittel,
der Chromate und Chlorate, welche bei Gegenwart der leicht oxidierbaren Oxalsäure
desoxidiert worden können, daher nicht ganz sicher in ihrer Wirkung sind.Sehr geringe
Mengen von Natriumplatinchlorid halten die Lichter rein weiß und beeinflussen die
Haltbarkeit des Papiers in günstiger Weise.
Aus diesem Grunde benutzt der Verfasser bei allen
Sensibilisierungslösungen für Entwicklungspapiere stets einen kleinen Zusatz (einen
Tropfen der Lösung 1:10 auf 10 ml Flüssigkeit) dieses Salzes.
in der Sensibilisierung haben eine allgemeine
Verschleierung des Bildes zur Folge. In dieser Weise wirken Ameisensäure und
Eisenoxidulsalze, z. B. Eisenvitriol. - Bei animalisch geleimten Papieren, die ein höchst
unempfindliches Platinpapier geben, das beim Entwickeln zu keiner Kraft kommt, gelingt es
durch Zusatz von Eisenvitriol zur Sensibilisierung brauchbare Bilder herzustellen.
Doch bleibt dieser Vorgang immer gefährlich und unsicher. Alle Substanzen, welche die
Reduktion des Platinsalzes erschweren, verringern etwas die Empfindlichkeit des Papiers,
wirken aber hauptsächlich der Entstehung einer tiefen Schwärze entgegen.
Solche Wirkungen kommen besonders den Chlorsalzen zu, während Bromsalze diese
Eigentümlichkeit weniger zeigen. Da das Kaliumtetrachloroplatinat fast 1/3 seines
Gewichtes Chlorkalium enthält, so ist in jeder Sensibilisierung diese verzögernde
Substanz enthalten.
Auch dem Eisen-III-oxalat kommt eine ähnliche
Wirkung zu. Seiner Gegenwart, sowie jener des Chlorkaliums ist es zuzuschreiben, daß eine
geringe Menge von Eisen-II-oxalat im Platinpapier noch keine Verschleierung zur Folge hat,
daß Papiere, welche durch rotes Blutlaugensalz blau gefärbt werden doch Platinbilder mit
reinen Weißen liefern.
Auch die Alkalioxalate verzögern und erschweren, wenn sie in der Sensibilisierung
enthalten sind, die Reduktion des Platins, man wird daher einen zu bedeutenden Überschuß
von Natriumeisen-III-oxalat zu vermeiden haben und bei Verwendung dieses Salzes der
Platineisenlösung kein lösliches Oxalat mehr zusetzen.Eine verzögernde, die Reduktion
des Platinsalzes verhindernde Wirkung kommt in hohem Masse gewissen Zersetzungsprodukten
der Gelatine zu.
Eine alte Gelatinelösung, der Sensibilisierung zugefügt, verringert die Empfindlichkeit
des Papiers sehr bedeutend, ja sie verhindert eventuell ganz das Entstehen eines Bildes.
Aus diesem Grunde sind die animalisch geleimten Schöpfpapiere, die mit tierischem Leim
überzogenen Rollenpapiere, so schlecht für den Platindruck geeignet. Man benutzt für
das Leimen der Papiere unreine, in Zersetzung begriffene Leimsorten, und es kann
vorkommen, daß einzelne Sorten solcher Papiere vollkommen ungeeignet für die Herstellung
von Platinbildern sind. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß einzelne Bogen unbrauchbar,
andere, aus einer andern Erzeugungsperiode stammend, dagegen recht gut verwendbar sind.
Wie schon gelegentlich der Besprechung des
Entwicklungsprozesses erwähnt wurde, beeinflussen gewisse Metallsalze den Verlauf
desselben in sehr günstiger Weise. Ein Zusatz von Blei-, Kupfer-, Wismuthsalzen
in der Sensibilisierung liefert ein Papier, das sich im Entwickler sehr rasch schwärzt
und das auch bei relativ geringem Gehalt an Platinsalz doch intensive Schwärzen aufweist.
Die Wirkungsweise dieser Salze ist noch nicht klargestellt. Da ein Zusatz von Bleisalzen
zu einem Eisenentwickler die reduzierende Wirkung desselben, Platinsalzen gegenüber,
etwas vermehrt, so hat es den Anschein, als ob dieser Zusatz schon durch seine bloße
Gegenwart bei der Entwicklung wirken würde; in der Sensibilisierung ist aber ihr Einfluß
viel mächtiger und Bleisalze im Entwickler der Platinbilder erhöhen kaum dessen Energie.
Es ist daher wahrscheinlich, daß schon bei
der Belichtung eines bleihaltigen Eisenpapiers Zersetzungsvorgänge stattfinden, weiche
die Entwicklung begünstigen.Belichtet man ein mit und ohne Bleisalz präpariertes
Platinpapier unter einer Papierskala und entwickelt kalt mit Kaliumoxalat, so schwärzt
sich das bleihaltige Papier viel rapider und nimmt eine intensivere Färbung an. Bei
Papieren, die mit Natriumeisen-III-oxalat sensibilisiert sind, erweist sich dagegen ein
Zusatz dieser Metallsalze als ganz wirkungslos. Die Gegenwart von Quecksilber- oder
Palladiumsalzen in der Sensibilisierung veranlaßt das Entstehen braungefärbter Bilder,
daher derartige Zusätze in der Praxis vielfach angewendet werden. Die Braunfärbung tritt
jedoch keineswegs immer auf und nur, wenn man ganz bestimmte Bedingungen einhält, ist es
möglich, Bilder zu erhalten, die in allen Schattierungen von gleicher, brauner Nuance
sind.Überzieht man beispielsweise ein Papier mit Eisen-III-oxalat und Quecksilberchlorid
und entwickelt mit platinsalzhaltiger Kaliumoxalatlösung, so resultieren reine schwarze,
meist bläulich nuancierte Bilder. Enthält aber die Sensibilisierung auch das Platinsalz,
so werden braune Bilder entwickelt. - Dabei spielt die Temperatur und Zusammensetzung des
Entwicklers eine wesentliche Rolle. Heiße, saure Lösungen von Phosphaten oder
zitronensauren Salzen geben leicht braune Töne, während sich mit kalter, neutraler
Kaliumoxalatlösung nicht das gewünschte Resultat erzielen läßt.
Unter solchen günstigen Verhältnissen
veranlassen schon sehr geringe Mengen von Quecksilberchlorid braune Töne. Ein
Zusatz von Quecksilbersalz, der nur 1/100 der Menge des Kaliumplatinchlorürs beträgt,
färbt schon die lichten Schatten deutlich braun, während allerdings die Tiefen noch
schwarz gefärbt bleiben. Mit zunehmenden Quecksilbergehalt hellen sich dann die Schatten
auf und eine Vermehrung über 1/5 des Platinsalzes ist auf die Farbe des Bildes nicht mehr
von Einfluß.
Ähnlich dem Quecksilberzusatz wirkt auch ein
solcher von Palladiumsalzen, doch sind die Bedingungen, unter welchen
Braunfärbung der Bilder eintritt, sehr beschränkt.
Nur bei Anwendung der Eisen-III-oxalatdoppelsalze lassen sich durch Palladium
braune Töne erzielen, bei Gegenwart von Eisen-III-oxalat, selbst wenn dieses nur in
geringen Mengen dem Doppelsalz zugesetzt wird, erhält man unter allen Verhältnissen nur
schwarze Bilder.
Palladium-Platinpapier muß überdies, wenn es braune Töne liefern soll, vollkommen
trocken kopiert werden, jede Spur von Feuchtigkeit während des Kopierens macht das Bild
schwarz. Das für den vorliegenden Zweck am besten geeignete Palladiumsalz ist das Kaliumtetrachloropalladat,
das man in wässeriger Lösung 1:10 vorrätig hält. Die Nuance der
braunen Farbe hängt von dem Verhältnis des Palladiums zum Platin in der Sensibilisierung
ab. Ein Zusatz von 1/10 - 1/5 Palladiumsalz reicht vollkommen aus, um helle braune Töne
zu erzielen.
Die Wirkungsweise dieser beiden braunfärbenden Metalle ist nicht bekannt. Stellt man nach
dem Prinzip das Platindruckes mit reinem Quecksilber oder Palladium Kopien her, so
verschwinden diese bei der Behandlung mit Salzsäure vollkommen. Auch die braunen
Platinbilder gehen in der Säure zurück, daher man annehmen muß, daß diese Zusätze nur
das Entstehen eines braunen Platinniederschlages vermitteln, daß zwar bei der Entwicklung
Quecksilber resp. Palladium ausgeschieden, bei der Behandlung mit Salzsäure aber wieder
gelöst wird, daher die fertigen Kopien lediglich Platin enthalten. Dieser Annahme scheint
das Verhalten brauner Platinbilder gegenüber chemischen Reagenzien zu widersprechen, die
gegen Chlor und Brom viel weniger widerstandsfähig als Schwarzkopien sind. - Diese
Eigentümlichkeit läßt sich aber durch die Annahme einer von chemischen Agentien
leichter angreifbaren Modifikation des Platinniederschlages erklären, umsomehr als die
Braunkopie bei Einwirkung von feuchtem Brom zwar ausbleibt, ihre Farbennuance aber nicht
verändert.
Die Sensibilisierungsflüssigkeit stellt man
durch Mischen der im Vorrat gehaltenen Platin- und Eisenlösung her, worauf man das zu
einer eventuellen Verdünnung notwendige Wasser und die sonst noch entsprechenden Zusätze
zufügt. Zum Abmessen dieser Flüssigkeiten bedient man sich der bekannten kleinen
Meßzylinder mit 5 oder 25 ml Inhalt, welche, wenn es sich um Mengen über
1 ml handelt, vollkommen ausreichend sind.
Das Abmessen kleinerer Flüssigkeitsquantitäten, was zuweilen bei den Zusatzlösungen
erforderlich ist, geschieht am besten mit graduierten Meßpipetten (Fig. 1). Es sind dies
zylindrische Glasröhren von 1 oder 2 ml Inhalt, welche mit einer 1/10 ml Teilung
versehen sind und deren unteres Ende in eine Spitze ausgezogen ist. Bei dem Gebrauch der
Pipette taucht man deren unteres Ende in die Flüssigkeit und saugt diese vorsichtig in
die Höhe, bis sie über die Nullmarke zu stehen kommt, worauf man rasch mit der Spitze
des Zeigefingers die obere Öffnung verschließt. Man hält dann die Pipette vertikal vor
sich und läßt die Flüssigkeit durch leises Lüften des Fingers bis zur Nullmarke
herabsinken. Aus der so gefüllten Pipette läßt man jetzt das entsprechende Quantum
Flüssigkeit in das hierfür bestimmte Gefäß tropfenweise ausfließen.
Bei dem Füllen der Pipette muß man bei
giftigen Flüssigkeiten vorsichtig sein, und es ist notwendig, den Gebrauch derselben erst
mit Wasser zu versuchen.
Sehr häufig werden kleine
Flüssigkeitsquantitäten in Tropfen angegeben. Die Größe derselben hängt aber
wesentlich von der Ausflußöffnung ab, daher Tropfen aus einer gewöhnlichen Flasche viel
größer sind als solche, die man aus einem ausgezogenen Glasrohr ausfließen läßt. Das
Maß eines Tropfens ist also kein konstantes, es gehen 15 - 30 derselben auf
einen Kubikzentimeter.
Das Abzählen von Tropfen ist aber ein so bequemes Messen, daß man in der Praxis nur
schwer darauf verzichten kann.
Die in den späteren Vorschriften angeführte Tropfenzahl bezieht sich stets auf Tropfen,
von welchen 20 auf einen Kubikzentimeter gehen; benutzt man daher eine Vorrichtung, welche
Tropfen von anderer Größe gibt, so müssen die angegebenen Zahlen korrigiert werden. Die
üblichen Tropfgläschen sind für Lösungen fester Körper nicht empfehlenswert, da die
an der Abtropffläche zurückbleibende Lösung eintrocknet, wodurch bei dem späteren
Gebrauch der Gehalt der ersten Tropfen wesentlich verstärkt werden kann.
Eine sehr bequeme, von diesem
Fehler freie Tropfvorrichtung ist in Fig. 2 (Tropfflasche) dargestellt. In die Flüssigkeit der Vorratsflasche
ragt durch den Kork K ein ausgezogenes Glasrohr, dessen oberes Ende ein ca. 5 cm langes
einseitig geschlossenes Kautschukrohr trägt. Drückt man dieses mit den Fingern bei m n
zusammen, so tritt die Luft bei der Spitze des Glasrohres aus und hört dann der Druck
auf, so steigt die Flüssigkeit in das Innere des Röhrchens.
Man hebt dann den Kork samt dem Rohr aus der Flasche und kann durch allmähliches Drücken
bei m n einzelne Tropfen ausfließen lassen.
Das Zusammensetzen der Sensibilisierung, sowie
das Auftragen derselben, müssen bei nicht wirksamem, am besten gelbem oder nicht zu
grellem Lampenlicht vorgenommen werden. Man ist in dieser Beziehung häufig nicht
genügend vorsichtig.
Die Eisenplatinpapiere sind ungleich empfindlicher als Silberpapiere und leiden auch im
feuchten Zustand bei der Belichtung Schaden, was bei den mit Chromsalzen sensibilisierten
Papieren bekanntlich nicht der Fall ist. Das Präparieren und Trocknen der Papiere in
einem von selbst schwachem Tageslicht erhellten Raum ist entschieden zu vermeiden; die
Nähe eines hellen Gasbrenners, oder durch gelbe Glasscheiben fallendes Sonnenlicht
verursacht schon nach kurzer Zeit einen allgemeinen Schleier.
Das Überziehen des Papiers mit der Lösung
geschieht am besten mit einem mäßig weichen Borstenpinsel oder bei ganzen Bogen mit
einer weichen Bürste. Ein zu weiches Haar saugt viel Flüssigkeit auf und ballt sich
zusammen, zu steife Bürsten verursachen bei dem Präparieren des Papiers leicht Streifen.
Die überall käuflichen ohne
Metall gefaßten Leimpinsel (Fig. 3, Pinseldarstellung), wie sie in den Tischlerwerkstätten benutzt
werden, sind für den gedachten Zweck vollkommen geeignet.
Für große Formate, besonders wenn man mehrere Bogen hinter einander zu präparieren hat,
empfiehlt sich die Verwendung schmaler aus weichen Haaren hergestellter Bürsten von ca.
10 cm Länge und 3 cm Breite (Fig. 4, Bürstendarstellung). Die Verwendung eines Flanell- oder eines
Baumwollbausches oder eines Schwammes empfiehlt sich nicht zum Auftragen der
Sensibilisierungslösung. Diese Stoffe saugen die Lösung auf und die Bildung einer
genügend fetten Schicht auf der Papieroberfläche ist nicht zu erreichen; man wischt mit
jedem Strich die Präparation oberflächlich weg, daher häufig grieselige, rauhe Kopien
entstehen.
Das zu überziehende Papier befestigt man
durch Heftnägel an den beiden oberen Ecken auf einer mit Papier belegten Tischplatte und
trägt die Sensibilisierungslösung mittels des vorerwähnten Pinsels auf. Bei
Präparation ganzer Bogen gießt man das erforderliche Quantum der Lösung in der Mitte
des Bogens auf und verstreicht dieselbe mit der Bürste rasch über die ganze
Papierfläche. Hierauf entfernt man die Heftnägel (der feuchte Bogen bleibt auch ohne
Befestigung liegen) und verteilt die Flüssigkeit, indem man den Bogen abwechselnd nach
der Breite und Länge wiederholt überfährt. Dieses Verteilen setzt man so lange fort,
bis der ganze Bogen gleichmäßig naß und frei von Strichen erscheint. Noch ehe sich
trockene Stellen zu bilden beginnen, muß mit dem Streichen aufgehört werden, da sich
jeder Strich über eine schon trockene Stelle markieren würde. Der noch gleichmäßig
nasse Bogen wird dann vertikal zum Trocknen aufgehängt.
Enthält die Sensibilisierung
Eisenoxalatdoppelsalze, welche eine große Neigung zur Kristallbildung zukommt, so muß
besonders bei Papieren mit nicht saugender, harter Oberfläche die Kristallisation
verhindert werden. Würde man nämlich ein solches Papier in noch nassem Zustand zum
Trocknen aufhängen, so würde es sich mit einer Unzahl kleiner glitzernder Kriställchen
bedecken, die das Zustandekommen glatter Tone verhindern. Man behandelt in diesem Fall die
noch gleichmäßig nasse Oberfläche des Papiers mit einem breiten langhaarigen Pinsel,
dem sogen. Vertreiber. Dieser wird in raschen kreisförmigen Bewegungen, unter leichtem
Druck, so lange über das Papier geführt, bis jeder Feuchtigkeitsglanz verschwunden ist
und die Oberfläche ein gleichmäßig mattes Aussehen zeigt. Dann erst wird der Bogen
getrocknet.Auch bei Gegenwart von Arrowroot, Gummi oder Gelatine in der Sensibilisierung
ist das Behandeln mit dem Vertreibpinsel notwendig. Diese Substanzen veranlassen nämlich
das Entstehen zahlloser kleiner Luftbläschen, und da überdies der dicklichen
Flüssigkeit die Neigung sich auszubreiten fehlt, so würde nach dem Trocknen jeder
Pinselstrich sichtbar sein.
Das Sensibilisierungsgemisch hält sich
zwar in flüssigem Zustand ziemlich lange Zeit - mindestens einige Stunden -
vollkommen unverändert, es verdirbt jedoch auf Papier aufgestrichen in feuchtem Zustand
ziemlich rasch. Das präparierte Papier muß daher trocken werden, ehe die
Sensibilisierung Schaden gelitten hat.
Der hierfür gestattete Zeitraum hängt
wesentlich von der Zusammensetzung der Sensibilisierung ab, denn wie später gezeigt
werden soll, neigen Papiere, welche mit den Doppelsalzen des Eisenoxalates präpariert
sind, bei Gegenwart von Feuchtigkeit mehr zum Verderben als solche, die nur
Eisen-III-oxalat enthalten. Im Allgemeinen braucht man jedoch in dieser Beziehung nicht zu
ängstlich zu sein und es genügt, wenn das Papier in ½ - 1 Stunde die volle Trockenheit
erreicht hat.
Es ist dies bei gut geleimten Papieren in einem warmen trockenen Lokale anstandslos durch
freiwilliges Trocknen zu erreichen, und nur weiche, saugende, dicke Kornpapiere erfordern
hierzu unbedingt künstliche Wärme. Jedenfalls muß aber das Papier schließlich einen
solchen Zustand von Trockenheit erreichen, daß es sich nicht mehr weich anfühlt.
Ist der Präparationsraum kalt und feucht, so muß man das Trocknen bei allen Papieren
durch künstliche Wärme unterstützen. Man bewegt das Papier entweder über einer Flamme
hin und her, oder hängt es in die Nähe eines Ofens, oder man benutzt bei größerem
Betriebe eigene Trockenkästen, wie sie auch zum Trocknen der Lichtdruckplatten gebraucht
werden.
Bezüglich der beim Trocknen zulässigen
Temperatur haben Versuche gezeigt, daß die mit Eisenoxalat-Doppelsalzen überzogenen
Papiere längere Zeit auf 100 Grad oC erwärmt werden können, ohne Schaden zu
leiden, während Eisen-III-oxalatpapiere diese Temperatur nur kurze Zeit vertragen und
bald Schleierbildung aufweisen. Eine Temperatur von 50-60 Grad oC dürfte sich
für das Trocknen aller Papiere empfehlen.
Das Trocknen bei künstlicher Wärme darf erst
stattfinden, wenn die Sensibilisierungslösung an der obersten Faserschicht des Papiers
aufgesaugt wurde, wenn also jeder Flüssigkeitsglanz von der Oberfläche des Papiers
verschwunden ist. Wird diese Vorsichtsmaßregel nicht eingehalten, so zeigt das trockene
Papier glänzende Stellen, die Platin-Eisensalze liegen frei auf der Oberfläche und bei
der Entwicklung schwimmt das metallische Platin vom Bild ab.
Die rasche Veränderung, welche Eisenpapiere
in einem feuchten Raum, wahrscheinlich in Folge der Bildung basischer Salz erleiden, wurde
schon bei Besprechung der Eisensalze angeführt.Man kann diese Zersetzungserscheinungen
sehr gut studieren, wenn man auf den Boden einer Pappschachtel nasses Filterpapier bringt
und das Eisenpapier mit Heftnägeln an dem Deckel befestigt.
Nach 12-24 Stunden ist das Papier braun geworden und hat seine Lichtempfindlichkeit
verloren.
Es ist gleichgültig, ob das Papier mit reinem Eisen-III-oxalat oder einem Doppelsalz
überzogen war und ob in der Sensibilisierung Platinsalz gegenwärtig war oder nicht.
Bewahrt man das Papier vollkommen trocken auf, so erleidet es, wenn auch erst nach langer
Zeit, ebenfalls eine Veränderung, indem ein Teil des Eisen-III-oxalates in das
Eisen-II-salz übergeht.
Das trockene Salz, sowie seine Lösung, ist zwar vollkommen haltbar, als Sensibilisierung
aufgetragen ist es aber nicht nur mit organischer Substanz - Papier; Stärke, Gelatine
etc. - in Berührung, es ist auch in enorm dünner Schicht allen Einflüssen der
Atmosphäre und ihrer Verunreinigungen ausgesetzt. Es kann daher nicht überraschen, wenn
das Eisen-III-oxalat-Papier im Laufe der Zeit eine Veränderung erfährt, wenn also
Platindrucke auf altem Papier bei der Entwicklung einen allgemeinen grauen Ton, einen
Schleier zeigen.
Die Eisen-III-oxalatdoppelsalze sind in dieser
Beziehung haltbarer und tatsächlich zeigen auch Natriumeisen-III-oxalat-Platinpapiere bei
trockener Aufbewahrung ein günstigeres Vorhalten. Eine weitere Ursache für die
Zersetzung des sensibilisierten Platinpapiers dürfte in der Wechselwirkung zwischen dem
Platin- und Eisensalz zu suchen sein.
Dem Eisen-III-oxalat kommen als Oxidsalz oxidierende Wirkungen zu, das
Kaliumtetrachloroplatinat kann zum Chlorid oxidiert werden. Es kann also bei Gegenwart von
etwas Feuchtigkeit in der Sensibilisierungsschicht aus Eisen-III-oxalat und
Kaliumtetrachloroplatinat, Eisen-II-oxalat und Kaliumplatinchlorid entstehen, eine
Umsetzung, die sich beim Kochen konzentrierter Lösungen auch in der Eprouvette
durchführen läßt.Ist in der Papierpräparation gleichzeitig Natriumoxalat vorhanden, so
absorbiert das Eisen-II-oxalat begierig den Sauerstoff der Luft, und es entstehen
Eisenoxidsalze von geringer Lichtempfindlichkeit.Wie ersichtlich, kann also ein
Natrium-Eisen-III-oxalat-Platinpapier bei längerer Einwirkung von Feuchtigkeit seine
Lichtempfindlichkeit verlieren.
Enthält das Papier statt des Doppelsalzes nur Eisen-III-oxalat, so kommt es nur zur
Bildung von Eisen-II-oxalat und Kaliumplatinchlorid. Durch die Gegenwart des Oxidulsalzes
muß noch kein Schleier bedingt sein, denn das vorhandene Platinchlorid wirkt diesem
entgegen.Die Zersetzungsvorgänge im Platinpapier bei langer oder feuchter Aufbewahrung
sind daher zurückzuführen:
auf Veränderungen, die das Eisen-III-oxalat
und seine Doppelsalze erleiden, indem:
a) bei Gegenwart von Feuchtigkeit braune, unlösliche, lichtbeständige Verbindungen
(wahrscheinlich basische Salz) entstehen,
b) bei trockener Aufbewahrung eine teilweise Reduktion zu Eisen-II-oxalat stattfindet.
auf einem Umsetzungsprozeß zwischen dem
Platin und Eisensalz.In der Praxis werden diese Vorgänge stets kombiniert sein und Mangel
an Kraft, Schleier, Unempfindlichkeit etc. zur Folge haben. Je nachdem ein oder der andere
Zersetzungsprozeß vorwaltet, werden diese Fehler einzeln oder gleichzeitig zu beobachten
sein.
Aus den obigen Erörterungen folgt, daß
Doppelsalz-Platinpapiere gegen Feuchtigkeit weniger widerstandsfähig sind, sich aber bei
trockener Aufbewahrung länger schleierlos halten werden, als solche, die mit
Eisen-III-oxalat und Platinsalz sensibilisiert sind, und daß bei reinen Eisenpapieren
oder solchen, die nur sehr wenig Platin enthalten, ein Zersetzungsprozeß weniger zu
befürchten ist. Um der Schleierbildung bei langer Aufbewahrung entgegen zu wirken,
empfiehlt sich ein kleiner Zusatz von Platinchlorid zur Sensibilisierung. Dieses Mittel
muß jedoch mit Vorsicht gebraucht werden, da es in größerer Menge die photographischen
Eigenschaften schädigt.
Um das empfindliche Papier tunlichst lange
brauchbar zu erhalten, wird man es daher trocken aufbewahren, also möglichst luft- und
lichtdicht abschließen müssen.Wie bekannt, benutzt man zu diesem Zweck Blechbüchsen,
deren Deckel mit einem Behälter für Chlorcalcium versehen ist. Auch gut schließende
Holzkästen, auf deren Boden man eine Tasse mit Chlorcalcium stellt, sind brauchbar und
bei großen Formaten sehr bequem.
Das Chlorcalcium ist eine sehr hygroskopische
Substanz und zieht begierig alle zum Papier dringende Feuchtigkeit an sich. Sobald es in
Folge der Feuchtigkeitsaufnahme Neigung zum Zerfließen zeigt, muß es durch frisches
ersetzt werden. Wenn auch das Platinpapier im Laufe der Zeit Veränderungen erleidet, so
muß es vom Standpunkte des Praktikers doch als haltbar bezeichnet werden.
Bei halbwegs sorgfältiger Aufbewahrung bleibt es mindestens 1-2 Wochen
vollkommen unverändert und dieser Zeitraum genügt dem Photographen, der sich das Papier
selbst sensibilisiert.
Für den Fabrikanten, der das Papier für den Handel liefern will, ist die Haltbarkeit
freilich nicht genügend und er muß zu umständlichen, kostspieligen Prozeduren seine
Zuflucht nehmen, das Papier in verlöteten Blechbüchsen einschließen, um seine
Haltbarkeit wenigstens für einige Monate zu sichern.
Wie schon Eingangs erwähnt, wird bei diesem
Verfahren das Papier mit Eisen-III-oxalat und der ganzen Menge des für die Bilderzeugung
notwendigen Kaliumplatinchlorürs überzogen, und nach dem Belichten unter einem Negativ,
die entstandene Eisenkopie mit einer, die reduzierende Kraft des Eisen-II-oxalates
weckenden Lösung behandelt, wobei die Umwandlung in das definitive Platinbild vor sich
geht.
Je nachdem die Entwicklungslösung in kaltem oder heißem Zustand benutzt wird,
unterscheidet man zwei Varianten dieses Verfahrens: den Prozeß mit kalter und jenen mit
heißer Entwicklung.
Abgesehen von der Temperatur des Entwicklers und dem dadurch bedingten, verschiedenen
Arbeitsmodus bei der Behandlung des kopierten Bildes, unterscheiden sich beide Verfahren
nur noch durch kleine Unterschiede in der Papierpräparation.
Die charakteristische Wirkungsweise des Entwicklers, sowie der, in der Praxis
einzuschlagende Vorgang beim Kopieren hat für beide Prozeß Geltung, soll daher gemeinsam
abgehandelt werden.
Der Verlauf des Prozesses bei der Entwicklung
eines Platinbildes wurde schon auf Seite 13 ausführlich erörtert. Wenn auch dabei
vielleicht andere Zersetzungsprodukte des Eisen-III-oxalates eine Rolle spielen, den
Prozeß vielleicht einleiten und beschleunigen, so ist doch das bei der Belichtung
gebildete Eisen-II-ox |