Platin/Palladium Druck1. Geschichte des PlatindrucksDie Platinotypie wurde im Jahre 1873 in England von WILLIAM WILLIS entwickelt und als "Neuer fotografischer Druck" noch im gleichen Jahr patentiert. Er beschrieb sein Verfahren in der Weise, daß er Papier, Holz etc. mit einer Mischung aus Ferrioxalat- oder tartrat mit Platin-, Iridium oder Goldsalz überzog, das nach dem Belichten unter einem Negativ in Lösungen von Kaliumoxalat oder Ammoniumoxalat entwickelt wurde. Als Platinsalz verwendete er Kaliumplatinchlorür oder -chlorid bzw. Platinbromid. Unter WILLIS' Mitarbeit wurden in London schon Ende der 70er Jahre hervorragende Drucke hergestellt, ohne daß ein sicheres Verfahren zur Selbstherstellung der sensiblen Platinpapiere allgemein bekannt gewesen wäre. Erst durch die Abhandlung der österreichischen Offiziere J. PIZZIGHELLI und ARTHUR FREIHERR VON HÜBL, "Die Platinotypie", die im Jahr 1882 erschien, wurde das Verfahren genau bekannt. Bei ihren Versuchen hielten sie am Willi'schen Prinzip fest, das Papier mit Ferrioxalat (heute: Eisen-III-oxalat) und Kaliumplatinchlorür (heute: Kaliumtetrachloroplatinat) zu präparieren. Die ersten Platinpapiere brachte 1880 die englische PLATINOTYP COMP. (London) auf den Markt. Der Pt-Druck wurde vor dem ersten Weltkrieg bei der Herstellung besonders kostbarer Porträtfotografien wegen seiner Schönheit und Unvergänglichkeit bevorzugt verwendet. Infolge des Weltkrieges und dem damit einhergehenden Preisanstieg für Edelmetalle verschwand dieses Verfahren fast gänzlich vom Markt und wurde durch die Gaslicht- und matten Bromsilberpapiere ersetzt.2. Theorie des PlatindrucksAllgemeines zum Verfahren:Grundsätzlich unterscheidet man drei Methoden zur Herstellung einer Platinkopie:
Alle drei Methoden sind Kontaktkopierverfahren und erfordern Negative im Ausmaß der gewünschten Bildgröße. Damit hören die Gemeinsamkeiten auch weitgehend schon auf. METHODE 1
Die METHODE 2,
METHODE 3,
3. Praktische Durchführung der Verfahren.Allgemeines.Die drei Methoden sind Kontaktkopierverfahren und erfordern deshalb Negative im Ausmaß der angestrebten Bildgröße. Die Sensibilisierungslösung wird mit einem Schaumstoffpinsel auf ein geeignetes Papier (etwa 200-300g/m2) aufgetragen, mit dem Fön getrocknet, belichtet, und - je nach Verfahren - entwickelt, geklärt, gewässert und getrocknet. Alle Schritte sollten sorgfältigst durchgeführt werden um dem Mythos gerecht zu werden, der jedem Platinprint vorauseilt: Seine fast unbegrenzte Haltbarkeit. Soweit der Platindruck in fast unverzeihlicher Kürze. Wenden wir uns nun den einzelnen Arbeitsgängen genauer zu. Die Negativherstellung.Siehe Seite Negative. Die Papierwahl.Ein sensibles Thema. Nicht ohne Grund hat sich Hübl in seinem 1895er Buch ausführlich diesem Thema gewidmet. Grundsätzlich sollte man jedes Papier, das man verwenden will, testen. Von "geht überhaupt nicht" bis "ausgezeichnet" ist alles möglich. Ein Beispiel: Für das Auskopierverfahren sind viele Papiere zu gebrauchen, sofern sie die chemischen Prozesse und diverse Wässerungen überstehen. Für das Entwicklungsverfahren hingegen ist man schon sehr eingeschränkt und muß sich u. U. mit Papieren zufriedengeben, die zwar eine befriedigende Printqualität garantieren, dafür aber in ihrer technologischen Struktur nicht sehr hochwertig sind. Das Problem ergibt sich eindeutig aus der Chemie des Papiers. Da der Platinprozeß grundsätzlich in saurem pH-Bereich ablaufen muß - es bilden sich sonst unlösliche basische Eisensalze - sind gepufferte Papiere in der Regel nicht zu gebrauchen. Das meistens verwendete Calciumcarbonat neutralisiert eben auch die Platinchemie! Zur Auswahl stehen heute (in Deutschland) u.a. folgende Papiere:
Grundsätzlich gilt: Der POP-Prozeß ist hinsichtlich der Papierwahl unempfindlicher als der Entwicklungsprozeß. Hochwertige Aquarellpapiere (z. B. Fabriano) können hier ohne weiters zum Einsatz kommen. Wer ernsthaft printen will, kommt ohne gezielte Papiertests nicht aus. Viele Papiere sind erst durch entsprechende Vorpräparation gut für den Platin/Palladiumdruck zu gebrauchen.
Das Belichtungsgerät.Wenn es ihnen nicht so sehr auf eine gute Reproduzierbarkeit der Ergebnisse ankommt, können sie die Belichtung ruhig in der Sonne vornehmen. Der Schatten tuts übrigens auch! Die Belichtungszeit erhöht sich zwar, die Prints werden jedoch minimal brillanter als in direktem Sonnenlicht. Empfohlen wird in ostmals ein Kopierrahmen mit geteilter Rückwand, damit sie beim Auskopierprozeß problemlos nachsehen können, wie weit die Belichtung fortgeschritten ist, ohne daß ihnen das Negativ dabei verrutscht. Ich rate davon ab. Bei anderen Auskopierprozessen, beispielsweise beim Salzprint, ist diese Methode sehr gut. Beim Platin-POP-Prozeß, bei dem der Feuchtigkeitsgrad der Kopierschicht eine entscheidende Rolle spielt, würde diese Vorgehensweise dazu führen, daß sich beim öffnen der einen Hälfte spontan die Feuchtigkeitsverhältnisse verändern und somit auch der Farbton dieses Teils der Kopie. Folge: Die "geöffnete" Seite des Prints ist andersfarbig als die "nicht geöffnete", ein Effekt, der garantiert zu problematischen Resultaten führt. Wenn sie das letzte aus dem Verfahren herausholen wollen und wenn ihnen eine gewisse Gleichmäßigkeit der Ergebnisse wichtig ist, dann kommen sie um den Gebrauch einer künstlichen UV-Lichtquelle nicht herum. Gehen sie zu Ihrem Elektrohändler und erkundigen sie sich, was es auf diesem Gebiet so alles gibt. Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn sie sich selbst so ein Gerät bauen. Und das geht so:
Die ChemieDie Chemikalien unterscheiden sich natürlich erheblich von denen, die üblicherweise im Fotolabor anzutreffen sind. Also muß man zunächst einige blaue Scheine investieren. Hier mein Vorschlag für die Grundausstattung:
Hier gebe ich gerne den Hinweis auf die aktuelle Preisliste der Fa. Bostick & Sullivan (http://www.bostick-sullivan.com/) in den Staaten und die Fa. KONTRASTE in Aschaffenburg. Bei beiden Anbietern bekommt man sog. Platinotype-Kit's, in denen die Chemie enthalten ist, die man für den Anfang benötigt. Man erspart sich eine Menge Telefonkosten und Rennerei, wenn man auf solche Kit's zurückgreift. Und!! Man kann sofort loslegen! Die Chemikalien sind nicht ohne weiteres in der Chemiehandlung oder in der Apotheke zu bekommen. Empfehlung: S. o. oder Anfrage beim Autor dieser WEB-Site !
Ansetzen der LösungenFür die Entwicklungsmethode sind folgende Lösungen mit dest. Wasser anzusetzen:
Das Eisenoxalat löst sich nur schwer in Wasser, und muß einen Tag vorher angesetzt werden.
Wer die Auskopiermethode versuchen will, muß noch folgende Lösung zusätzlich ansetzen:
Alle Lösungen sind mind. 1 Jahr haltbar. Tip: Die Lösungen nicht selber ansetzen, sondern fertig kaufen! Zusammensetzung der Sensibilisierungslösung und deren Kontraststeuerung.Bitte keine metallischen Gefäße oder Rührstäbe benutzen! Verwenden sie Porzellan oder Kunststoffbecher zum Ansetzen der Lösung. Die fertige Mischung ist sofort zu verbrauchen. Für die Bildgröße 8x10 inch benötigen sie etwa 25-30 Tropfen Gesamtlösung, für andere Formate entsprechen mehr oder weniger. Und nun kommt's: Die beiden Lösungen A und B sind beliebig untereinander mischbar, müssen aber immer mit der Platin/Palladiumlösung im Mischungsverhältnis von 1 : 1 stehen.
Dabei gilt grundsätzlich, je mehr Lösung B (Eisenchloratlösung), um so härter wird der Print. D. h. , je weicher das Negativ, um so mehr Eisenlösung B müssen sie zugeben. In der entsprechenden Literatur wird immer wieder auf die Zusammenhänge zwischen dem MV der Eisenlösung und der Gradation der Schicht hingewiesen. Ich empfehle ihnen: probieren sie alle möglichen MV´s aus und sie kommen schnell hinter das Geheimnis der Gradationssteuerung. Der Kontraststeuerung sind allerdings Grenzen gesetzt. Verwendet man zuviel Kaliumchlorat, so wird das Bild in den feinen Grautönen leicht körnig. Eine mittelgraue Fläche sieht dann nicht mehr geschlossen grau aus, sondern erinnert eher an eine Kopie von einem gepushten 1600 ASA Film. Die feinsten Grautöne verabschieden sich völlig. Hier verweise ich nochmals auf die Wichtigkeit der korrekten Negativherstellung. Alternative Kontraststeuerung: Man benutzt nur die Standardeisenlösung A (nicht die Eisenchloratlösung!), setzt sich zusätzlich eine 0,5%ige, wäßrige Kaliumchloratlösung (oder Ammoniumdichromatlösung) an und gibt - je nach gewünschtem Kontrast - einen oder mehrere Tropfen dieser Kaliumchloratlösung in die Sensibilisierungslösung. Ist die Wirkung zu stark, kann die Lösung mit Wasser verdünnt werden. Vorteil: man benötigt keine zwei Eisen-III-oxalatlösungen. Beschichtung des Papiers.Das Papier sollte um einiges größer sein als das Negativ. Die Eckpunkte (plus Sicherheitszuschlag) des Negatives kennzeichnen sie sich nun mit dünnen Bleistiftpunkten, damit sie die Sensibilisierungslösung nicht auf eine zu große Fläche verteilen. Die angemischte Lösung wird nun auf das Papier gegossen und mit dem Schaumstoffpinsel schnell auf die gesamte, markierte Fläche verteilt. Gießen sie dabei die Sensibilisierungslösung nicht mitten ins Motiv, sondern an den Rand der Markierung und ziehen sie die Flüssigkeit dann mit dem Pinsel in die markierte Fläche. sie vermeiden dadurch etwaige Fleckenbildung im Motiv. Dies betrifft hauptsächlich helle Motivteile. Damit die Flüssigkeit gut in den Papierfilz einziehen kann, versetzt man sie mit geringen Mengen eines Netzmittels. Bewährt hat sich hier ein Zusatz von "Tween 20", ein Produkt, das nicht giftig und im Chemiehandel zu bekommen ist. Zum Gebrauch setzt man sich eine 10%ige Lösung an, von der man in der Regel 1 Tropfen zur Sensibilisierungslösung zugibt.
Die Belichtung.Das trockene Papier - und das gilt zunächst nur für das Entwicklungsverfahren - wird in einem Kopierrahmen oder unter einer dicken Glasscheibe mit dem Negativ eng in Kontakt gebracht und entweder an der Sonne oder unter der künstlichen UV-Lichtquelle belichtet. Bei optimalen Negativen liegt die Belichtungszeit zwischen 2 und 3 Minuten. Ansonsten sind auch schon mal 20 Minuten drin. Aber achten sie auf die Temperatur! Im Sommer empfiehlt sich daher das Kopieren im Schatten. Bei längerer Belichtungszeit sollten sie die Menge Eisenoxalat um ca. 20% erhöhen, da es sonst leicht es zu Solarisationseffekten kommen kann! Die Entwicklung.Als Entwickler setzen sie sich eine ca. 30%ige Di-Ammoniumhydrogencitratlösung an ( 1kg Pulver in ca. 2,8 l Wasser lösen). Zum Gebrauch wird der Lösung ca. 100g Zitronensäure (oder 5ml Salzsäure) zugesetzt, damit der Prozeß garantiert im sauren PH-Bereich abläuft!
Nach der Entwicklung wird das Bild 3-5 Minuten in einer Schale mit frischem, angesäuertem Wasser (ca. 5ml Salzsäure auf etwa 5l Wasser) abgespült ehe es zunächst in einer ausreichend großen Wässerungsschale zur späteren Weiterbehandlung abgelegt wird. Dabei muß man berücksichtigen, daß das Platin/Palladiumbild nicht durch eine Gelatineschicht o. ä. geschützt ist und jede mechanische Verletzung der Papieroberfläche - z. B. durch Überlagerung mehrerer Bilder in der Wässerung - die Qualität des Prints unweigerlich beeinträchtigt! Klärung und Wässerung.Um verbliebene Eisensalze restlos zu entfernen müssen die Blätter nach der Sammelwässerung noch 10 Minuten in einer 3-5%igen EDTA-Lösung geklärt werden. Dieses Klären ist sehr wichtig, damit garantiert keine Eisensalze im Papierfilz zurück bleiben. Nur so erhält man reine Bildweißen. Wenn ich hier von Sammelwässerung rede, dann meine ich nicht die im normalen Fotoprozeß übliche Massenansammlung von Bildern in der Wässerung. Gemeint ist hier eine Wässerung, in der sich bei - kleineren Formaten - die Bilder nicht gegenseitig behindern oder - bei größeren Formaten - sich nur ein einziges Bild in der Schale befindet. Größte Vorsicht beim Handling mit den nassen Papieren ist unbedingt erforderlich! Im einzelnen geht man so vor:
Es schließt sich eine Endwässerung von 30 Minuten an. Trocknen der Prints.Es gibt nur eine wirklich gut Methode: die Bilder mit Naßklebeband auf Glasscheiben aufziehen und über Nacht langsam trocknen lassen. Unterschätzen sie bitte nicht die Trocknung! Es gibt nichts schlimmeres als einen schlecht getrockneten, knittrigen Platin/Palladium-Print. Nur PE-Abzüge sind schlimmer. Gehen sie wie folgt vor: Legen sie den tropfnassen Druck mit der Schichtseite nach unten vorsichtig auf eine ausreichend große, saubere Glasscheibe und streifen sie ihn mit einem Gummirakel ab.
Nehmen sie jetzt den Print von der Glasscheibe und legen sie ihn mit der Schichtseite nach oben auf die Scheibe zurück. Durch Auflegen einer alten Zeitung wird die Oberfläche vom stehenden Wasser befreit, abgelöscht sozusagen. Das Blatt wird dann noch mit Naßklebeband auf der Scheibe fixiert und an einem nicht zu trockenen Ort über nacht getrocknet. Bei zu schneller Trocknung reißt ihnen mit Sicherheit das Bild oder das Klebeband. Also: Geduld! Am nächsten Morgen schneiden sie das Bild mit einem Cutter von der Scheibe und sie werden sehen, es ist glatter als zuvor! Besonderheiten des Auskopierverfahrens.Alles, was sie bisher gelesen haben - mit Ausnahme der Entwicklung - gilt prinzipiell auch für das Auskopierverfahren. Die entscheidenden Unterschiede:
Beim sogenannten POP-Prozeß (Auskopierprozeß) wird die lichtempfindliche Schicht hergestellt aus der o. a. Lösung D und der Lösung C (Platin/Palladiumlösung), wobei als Besonderheit die Lösung C auch eine reine Platinlösung sein kann.
Die Schicht wird nach dem Auftrag auf den Papierträger ebenfalls mit dem Fön getrocknet. Nun kommt das Wichtigste: Vor dem Kopieren muß die Schicht in einen definierten Feuchtigkeitszustand gebracht werden.
Entweder bauen sie sich nun eine Klimabox, oder sie erzeugen mit dem Kochtopf jede Menge Dampf im Labor und halten die Schicht einfach in den Dampf und warten, bis sie das Gefühl haben, den richtigen Feuchtigkeitsgrad erwischt zu haben.
Testen sie und sie werden den richtigen Weg schon finden. Und nicht vergessen: Das Bild wird nicht entwickelt! Es bleibt so, wie es nach der Belichtung aussieht und kommt direkt ins Wasser.
Wässerung und Trocknung wie weiter oben beschrieben. D. Münzberg
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